E-MailSucheenglishdeutschTwitterYouTubeFacebook

Logo

 

Stipendiatentreffen 2025 der Daimler und Benz Stiftung

 

Vom 19. bis 21. September 2025 trafen sich rund 30 aktuelle und ehemalige Stipendiaten der Daimler und Benz Stiftung in Kaiserslautern. Im Mittelpunkt des Treffens standen neben gemeinsamen Aktivitäten vor allem der interdisziplinäre Austausch und das persönliche Kennenlernen.

Dank der Vermittlung unserer Stipendiatin Christina Jörg begann das Treffen bereits am Freitagnachmittag mit einer Besichtigung des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik, die einen Einblick in die Forschungsarbeiten der verschiedenen Abteilungen gab. Die Abteilung Mathematik beschäftigt sich mit der Fahrzeugentwicklung und betreibt auch einen Fahrsimulator, der in verschiedenen Kundenprojekten eingesetzt wird und von mehreren Teilnehmern selbst ausprobiert werden konnte. In der Abteilung Optimierung erfuhren die Gäste, wie mathematische Methoden dafür genutzt werden, den idealen Schliff eines rohen Edelsteins zu berechnen, um diesen mittels geeigneter Technik in einen wertvollen Schmuckstein zu verwandeln. In der Abteilung Materialcharakterisierung wurde schließlich demonstriert, wie Strahlung im Terahertz-Bereich zur Untersuchung von Materialien eingesetzt werden kann.

Am Samstagvormittag fand im Veranstaltungszentrum 42Kaiserslautern zunächst die Mitgliederversammlung des Alumni-Vereins statt. Nach dem Mittagessen begrüßte Jochen Langer, erster Vorsitzender des Alumni-Vereins, die Teilnehmer und hob den besonderen interdisziplinären Charakter des Treffens hervor. Sein Dank galt insbesondere Leila Taghizadeh Ghoochany für die Organisation des erstmals in Kaiserslautern stattfindenden Treffens.

Das diesjährige wissenschaftliche Programm begann mit Vorträgen aktueller und ehemaliger Stipendiaten. Zum Auftakt erinnerte Lisa Voskuhl, Nachwuchsgruppenleiterin in der Fakultät für Chemie der Universität Duisburg-Essen, an zahlreiche Ölunfälle der vergangenen Jahrzehnte und deren katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt. In ihrer Forschungsarbeit beschäftigt sie sich jedoch mit natürlichen Erdölaustritten, bei denen sich zeigt, dass die Natur mit der Toxizität des Öls durchaus zurechtkommen kann. Bei der Untersuchung dieser besonderen Habitate identifizierte sie eine Reihe von erdölabbauenden Algen. Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass vor allem Gemeinschaften dieser Organismen besonders geeignet sind, austretendes Öl sehr schnell abzubauen. Frau Voskuhl verfolgt das Ziel, anhand dieser Erkenntnisse neue Methoden zu entwickeln, um die Auswirkungen künftiger Ölunfälle zu begrenzen.

Michael Heide, Nachwuchsgruppenleiter am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, berichtete unter dem Titel „Gehirnorganoide: Vom Mythos der Mini-Gehirne zur großen Chance für die Evolutionsforschung“ über seine aktuelle Forschung. Ausgehend von pluripotenten Stammzellen lassen sich frühe Stadien der Bildung von Neuronen und deren Vorläuferzellen studieren. Die Modelle unterstützen sowohl die Evolutionsforschung als auch die Untersuchung von Entwicklungsstörungen des Gehirns.

Franziska Traube vom Institut für Biochemie der Universität Stuttgart stellte ihre Arbeiten zu „Neuartigen Nukleosid-Analoga zur Behandlung aggressiver akuter myeloischer Leukämien“ vor. Die akute myeloische Leukämie gilt als die aggressivste Leukämieform und ist nach wie vor schwer behandelbar. Das vorgestellte neue Molekül – ein karbozyklisches DNA-Nukleosid-Analogon – ruft DNA-Schäden hervor, beeinflusst die Genexpression und könnte damit in der Behandlung bei einer breiten Palette von Leukämiesubtypen eingesetzt werden. Trotz eines engen therapeutischen Fensters verspricht es deutlich geringere Nebenwirkungen als bisherige Ansätze.

Ein weiterer Vortrag widmete sich der Frage nach der Entstehung des Lebens. Robert J. Mayer vom Department Chemie der TU München stellte unter dem Titel „Der Ursprung des Lebens: Moleküle, Meteoriten und Magie?“ präbiotische Reaktionen und Prozesse vor, die auf der jungen Erde zur Bildung komplexer organischer Moleküle geführt haben könnten. Einige zentrale Reaktionsschritte konnten bereits in Laboren oder mithilfe von Computersimulationen bestätigt werden. Herr Mayer erläuterte außerdem, dass Meteoriten eine mögliche Quelle für Elemente und molekulare Bausteine darstellen, die eine zentrale Rolle für die Entstehung des Lebens gespielt haben könnten. Auch wenn viele Fragen offen sind, zeigt sich zunehmend, dass sich der Ursprung des Lebens ohne Magie durch Methoden der evolutionären Chemie erklären lässt.

Im Anschluss referierte Kay W. Axhausen, einer der ersten Stipendiaten der Daimler und Benz Stiftung und emeritierter Professor für Verkehrsplanung an der ETH Zürich, zum Thema „E-Bike-City: Eine Alternative für den Stadtverkehr?“. In seinem Projekt werden Visionen für eine zukünftige klimaorientierte Verkehrspolitik entwickelt. Am Beispiel der Stadt Zürich erläuterte er, wie die bestehende Verkehrsinfrastruktur umgestaltet werden könnte. Im Mittelpunkt steht der Vorschlag, die Hälfte des Straßenraums für klimafreundliche Verkehrsmittel wie E-Bikes, Fahrräder und Elektroroller zu reservieren, wobei alle Adressen durch ein System von Einbahnstraßen weiterhin erreichbar bleiben. Zusammen mit einem Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs soll so eine attraktive Alternative zum Auto geschaffen werden. Der Vortrag führte zu einer lebhaften Diskussion über politische und gesellschaftliche Mehrheiten für eine solche Umgestaltung und die Übertragbarkeit auf andere Städte.

Den Abschluss des Vortragsprogramms bildete der überaus interessante Abendvortrag „Die Macht der Computermodelle“ von Prof. Dr. Bernd Simeon vom Fachbereich Mathematik der RPTU Kaiserslautern-Landau. Er zeigte auf, wie mathematische Modelle und Simulationen unser Verständnis der Realität prägen, Entscheidungen beeinflussen und welche Chancen und Risiken dies für Wissenschaft, Technik und Gesellschaft birgt. Anhand zahlreicher Beispiele aus der Klimamodellierung, Technik und Infektiologie verdeutlichte Herr Simeon, wie falsche Modellannahmen oder unzureichende Daten zu irreführenden Prognosen und folgenschweren Fehlentscheidungen führen können. Die zunehmende Ablösung klassischer Modelle durch maschinell lernende KI-Anwendungen erschwere die Nachvollziehbarkeit zusätzlich. Herr Simeon plädierte für ein geschärftes Bewusstsein im Umgang mit Simulationen und stellte Strategien zur Validierung von Ergebnissen vor, die in der anschließenden Diskussion vertieft wurden.

Den Abend ließ die Gruppe in der Wein- und Bierstube Spinnrädl bei pfälzischen Spezialitäten ausklingen. Am Sonntagvormittag stand eine Stadtführung durch Kaiserslautern auf dem Programm, die mit einem Besuch des Japanischen Gartens endete. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Ristorante Filippo traten die Teilnehmer mit neuen Eindrücken und Bekanntschaften die Heimreise an.

Die Stiftung bedankt sich besonders bei Leila Taghizadeh Ghoochany für ihr großes Engagement bei der Vorbereitung und Durchführung des Treffens, das durch ihren Einsatz zu einem rundum gelungenen Erlebnis wurde.