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Original oder Fälschung? Strategien zur Entlarvung von Kunstfälschungen

 

„Fälschungen können Zeitbomben sein, die erst lange Zeit nach ihrer Herstellung detonieren“, so Prof. Dr. Henry Keazor. Der an der Universität Heidelberg lehrende Kunsthistoriker ist nicht nur Spezialist für französische und italienische Barockmalerei, sondern forscht auch zu Kunstfälschungen. Einem größeren Publikum wurde er bekannt als Interviewer des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi in dem 2014 erschienenen Dokumentarfilm „Beltracchi – Die Kunst der Fälschung“.

In seinem Vortrag behandelte Keazor berühmte Fälle von Kunstfälschungen und gab einen Überblick über Methoden zu deren Aufdeckung. Neben der Provenienzforschung, bei der Herkunft und Besitzverhältnisse von Kunstwerken geklärt werden, zählten dazu ebenso die chemische Untersuchung von Farbproben und die stilistische Analyse, die sich mit der zeitlichen Einordnung eines Kunstwerks und dessen Zuordnung zu einem Künstler befasst. Künstliche Intelligenz (KI) als weiterer Ansatz werde in Zukunft sicher vielversprechend sein, sei aber aktuell noch zu fehleranfällig.

Wie kann man eine Fälschung überzeugend als vermeintliches Original ausgeben? Wenn man etwa in ein geschaffenes Werk so eingreift, dass es z. B. alt wirkt, oder man eine Signatur hinzufügt, die ursprünglich gar nicht zu dem Werk gehört, dann liege objektive Verfälschung vor. Bei der subjektiven Verfälschung hingegen werde das Objekt selbst nicht verändert, aber der Rezeptionsrahmen manipuliert: „Dabei wird das Objekt in Bezug gesetzt zu irreführenden, manipulierten Dokumenten, etwa die Herkunftsgeschichte betreffend“, erläuterte Keazor.

Abschließend stellte der Kunsthistoriker ein aktuelles Forschungsprojekt vor, das die Entlarvungs- und Präventionsstrategien gegen Kunstfälschungen analysiert, die zwischen 1899 und 1939 in der Zeitschrift „Mittheilungen des Museen-Verbandes“ publiziert wurden mit dem Ziel, durch Aufklärung die Herstellung und den Verkauf von Fälschungen zu unterbinden. Letztlich könnten diese Forschungen auch Hinweise darauf liefern, wo sich Fälschungen heute befinden.

Referent
Prof. Dr. Henry Keazor studierte Kunstgeschichte, Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Heidelberg und Paris. Im Jahr 1996 wurde er an der Universität Heidelberg promoviert. Seit 2012 ist er als Professor für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg tätig.

 

Dialog im Museum
25. September 2025
19.00 Uhr

Referent:
Prof. Dr. Henry Keazor
Universität Heidelberg, Institut für Europäische Kunstgeschichte