Daimler und Benz Stiftung –
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Bertha-Benz-Vorlesung

Veranstaltungen

Pioniergeist und Engagement zeichneten Bertha Benz (1849-1944) aus. Im Jahr 1888 bewies sie gemeinsam mit ihren Söhnen zum ersten Mal die Tauglichkeit des Automobils für Fernfahrten. In diesem Sinn hat die Stiftung das Veranstaltungsformat der Bertha-Benz-Vorlesung mit anschließender Preisverleihung etabliert. Wissenschaftlerinnen und Expertinnen aus unterschiedlichen Disziplinen und Branchen sprechen über gesellschaftlich relevante Themen. Im Anschluss wird der Bertha-Benz-Preis für die herausragende Promotion einer Ingenieurin verliehen.

41. Bertha-Benz-Vorlesung

Depressionen in Zeiten großer Veränderungen

„In Krisenzeiten Verantwortung zu übernehmen, das treibt mich um.“ Die Psychologin Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier, Lehrstuhlinhaberin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Greifswald, erforscht den Einsatz personalisierter Psychotherapien bei Depressionen und nimmt dabei besonders die Auswirkungen von Krisen auf die psychische Gesundheit in den Fokus. „Wir befinden uns in Zeiten großer Veränderungen, man könnte dies auch als Epochenbruch bezeichnen“, konstatierte die Psychologin und führte Pandemien, geopolitische Konflikte, die gesellschaftliche Polarisierung, den demografischen Wandel, die digitale Transformation und die Klimakrise als Beispiele für diesen tiefgreifenden Prozess an.

In der Ambulanz des von Brakemeier geleiteten Zentrums für Psychologische Psychotherapie (ZPP) der Universität Greifswald frage man die Hilfesuchenden in der Diagnostik auch danach, ob sie sich durch gesellschaftliche Probleme belastet fühlen. „Fast 80 Prozent machen sich Sorgen, besonders im Blick auf den Klimawandel, die soziale Ungleichheit oder die wachsende Feindseligkeit zwischen Menschen“, so Brakemeier. „27 Prozent geben an, durch die Klimakrise belastet zu sein.“

Angesichts dieser Zahlen sei es so wichtig, Krisen bei der Behandlung von Depressionen immer mitzudenken. Eine Strategie, die in der Behandlung am ZPP in Greifswald eingesetzt werde, eigne sich auch zur Prävention für jeden Einzelnen: „Anstatt in Stresssituationen mit typischen Verhaltensweisen wie Freeze (Erstarrung), Flight (Flucht) oder Fight (Kämpfen) zu reagieren, können wir diese Reaktionen auch in etwas Positives überführen.“ Dies bedeute radikale Akzeptanz anstelle von resignativer Erduldung, Selbstfürsorge mit positiven Aktivitäten anstelle von Flucht und Vermeidung, aber auch Engagement und werteorientiertes Handeln anstelle von Kampf.

Auf gesellschaftlicher Ebene müsse der „Health for all policies“-Ansatz konsequent umgesetzt werden: Es gehe dabei vor allem um die Förderung der psychotherapeutischen Versorgung und nicht um deren Kürzung. Mehr psychologische Bildung in Schulen, Universitäten, Kindergärten und -tagesstätten sowie Demokratieförderung seien weitere Maßnahmen. „Positive Erwartung, Hoffnung und Zuversicht sind ganz entscheidende Variablen für die psychische Gesundheit“, lautete Brakemeiers Fazit.

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