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Ladenburger Kolleg

Förderlinien

Die Förderlinie „Ladenburger Kolleg“ bietet Wissenschaftlern die Möglichkeit, innerhalb eines interdisziplinären Forschungsverbunds Themenstellungen über einen längeren Zeitraum zu bearbeiten. Unter der Leitung eines wissenschaftlichen Koordinators mit Sprecherfunktion wird das Forschungsthema von mehreren Arbeitsgruppen an unterschiedlichen wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland bearbeitet.

Ladenburger Kolleg 2026

Sensorgestützte Erfassung pflegerischen Erfahrungswissens und Vermittlung durch KI-basierte humanoide Robotik

Der demografische Wandel stellt die Pflegeausbildung vor eine bislang unterschätzte Herausforderung. Durch das altersbedingte Ausscheiden erfahrener Pflegekräfte geht nicht nur wertvolles Personal verloren, sondern insbesondere auch jahrzehntelang optimiertes Erfahrungswissen: Täglich ausgeübte Handlungsroutinen, Interaktionsmuster und intuitive Entscheidungsprozesse lassen sich kaum in Lehrbüchern festhalten oder vermitteln.

Genau hier setzt das Forschungsprojekt „ROBO.KIWI“ an. Im Rahmen des Ladenburger Kollegs „Sensorgestützte Erfassung pflegerischen Erfahrungswissens und Vermittlung durch KI-basierte humanoide Robotik“ erfassen Forscher mithilfe eines körpernahen Sensornetzwerks reale Pflegehandlungen direkt am Körper erfahrener Pflegekräfte. Die gewonnenen Bewegungsdaten werden analysiert, aufbereitet und anschließend per „Motion Retargeting“ und Imitationslernen auf einen Roboter übertragen.

Der humanoide Roboter übernimmt dabei folgende Doppelrolle: Als „Pflegefachperson“ demonstriert er kuratierte Bewegungsabläufe, als „Pflegeempfangender“ simuliert er realistische Widerstände. Jenseits von Lesetexten, Erklärvideos oder dem Einsatz virtueller Realität ermöglicht der Roboter damit ein risikoarmes und vor allem körperlich erfahrbares Training für die Ausbildung von Nachwuchskräften.

Herzstück des Projekts ist der weltweit erste multimodale Datensatz für pflegerische Interaktionen. Die Daten dienen als Grundlage für das Training verkörperter künstlicher Intelligenz und stellen eine zentrale Ressource für die internationale Forschungsgemeinschaft dar. Ein interdisziplinäres Team aus Wissenschaftlern entkoppelt im Projekt ROBO.KIWI die Pflegeausbildung von der begrenzten Verfügbarkeit menschlicher Experten und vollzieht damit einen Paradigmenwechsel: Roboter entwickeln sich von reinen Werkzeugen zu physischen Lernpartnern. Das Prinzip lässt auch auf andere Bereiche übertragen, in denen Erfahrungswissen systematisch verloren geht, etwa in der industriellen Produktion, im Handwerk oder in der Landwirtschaft.