Daimler und Benz Stiftung –
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Ladenburger Diskurs

Förderlinien

Mit der Förderlinie „Ladenburger Diskurs“ bietet die Stiftung einen Freiraum für die interdisziplinäre Reflexion eines wissenschaftlich und gesellschaftlich relevanten Forschungsthemas. Sie stellt in ihren Räumlichkeiten einen Ort zur Verfügung, an dem Wissenschaftler und Experten aus der Praxis ein frei gewähltes Forschungsthema erörtern können. Die Diskurse stehen sämtlichen Disziplinen offen, ein Ladenburger Diskurs kann zu einer Publikation oder Konzeption eines größeren Forschungsprojekts führen.

Ladenburger Diskurs 2025

OSZE, quo vadis? 50 Jahre nach der Schlussakte von Helsinki

Ein halbes Jahrhundert nach Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki diskutierten am 5. und 6. März 2026 rund 20 Experten aus Wissenschaft, Diplomatie und Praxis beim Ladenburger Diskurs der Daimler und Benz Stiftung über die Zukunft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage, welche Rolle die OSZE angesichts der tiefgreifenden Veränderungen der europäischen Sicherheitsordnung heute noch zu spielen vermag.

Die Schlussakte von Helsinki im Jahr 1975 legte mit ihren drei „Körben“ – Sicherheitspolitik, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Menschenrechte – wichtige Grundlagen für vertrauensbildende Maßnahmen und die spätere institutionelle Entwicklung der heutigen OSZE. Vor diesem Hintergrund befassten sich die Diskussionen zunächst mit der Rolle der Organisation im Kontext aktueller bewaffneter Konflikte. Dabei wurde deutlich, dass die OSZE zwar über zahlreiche Instrumente zur Konfliktprävention und zur Stabilisierung nach Konflikten verfügt, ihre Handlungsmöglichkeiten jedoch stark vom politischen Willen der Teilnehmerstaaten abhängen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung lag auf der sogenannten „Human Dimension“ der OSZE, also dem Schutz von Menschenrechten und nationalen Minderheiten. Diskutiert wurden unter anderem Instrumente zur Untersuchung schwerer Menschenrechtsverletzungen. Dazu zählen der sogenannte „Moscow Mechanism“ (Entsendung von unabhängigen Experten in einen anderen Mitgliedstaat) sowie Möglichkeiten der präventiven Konfliktbearbeitung. Die Teilnehmer befassten sich zudem mit neuen Herausforderungen für die Organisation – etwa Migration, Umweltfragen oder Menschenhandel – und ihrer Rolle innerhalb der europäischen Sicherheitsarchitektur.

In den Diskussionen wurde wiederholt auf folgende paradoxe Situation hingewiesen: Obwohl politische Entscheidungsprozesse innerhalb der Organisation zunehmend wegen der Haltung der Russischen Föderation und Belarus blockiert sind, funktionieren zahlreiche technische und operative Formen der Zusammenarbeit weiterhin, etwa bei Vertrauens- und Sicherheitsmaßnahmen und der Wahlbeobachtung. Gerade diese oft wenig sichtbaren Formen der Zusammenarbeit könnten sich langfristig als entscheidend erweisen, um Dialogformate und institutionelle Expertise für eine künftige europäische Sicherheitsordnung zu bewahren.

Der Ladenburger Diskurs zur künftigen Rolle der OSZE schließt an eine Potsdamer Tagung des MenschenRechtsZentrums der Universität Potsdam aus dem Jahr 2025 anlässlich des 80-jährigen Jubiläums der Organisation der Vereinten Nationen an. Die Veranstaltung ordnet sich damit in ein größeres Forschungsfeld zur Rolle internationaler Organisationen angesichts eines grundsätzlich veränderten geopolitischen Rahmens ein.