Daimler und Benz Stiftung –
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Dialog im Museum

Veranstaltungen

Die Vortragsreihe Dialog im Museum erfolgt in Kooperation mit der Daimler Truck AG, der Mercedes-Benz Group AG und der Mercedes-Benz Heritage GmbH. Die Stiftung lädt mehrmals im Jahr renommierte Forscher und Wissenschaftler ein, um im Stuttgarter Mercedes-Benz Museum über den neuesten Stand ihrer Forschung zu sprechen und im Anschluss mit den Teilnehmern zu diskutieren. Die Vorträge konzentrieren sich auf aktuelle Themen und haben insbesondere wirtschaftliche und gesellschaftliche Implikationen im Blick.

Dialog im Museum

Biodiversität: Die Vielfalt des Lebens erhalten

Während der letzten 3,8 Milliarden Jahre sei eine ungeheure Anzahl von Arten entstanden, die sich in gegenseitiger Abhängigkeit entwickelt hätten. „Das Leben funktionierte bisher in Kreisläufen und kommt selbst mit tiefgreifenden Umweltveränderungen zurecht“, so Prof. Johannes Vogel, Ph.D., Generaldirektor des Museums für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung (Berlin). Als Professor für Biodiversität und Wissenschaftsdialog an der Humboldt-Universität zu Berlin berät Vogel unter anderem die EU-Kommission und die Bundesregierung in Umweltfragen. Über 260 Besucher kamen am 6. Juni im Rahmen der Reihe „Dialog im Museum“ auf Einladung der Daimler und Benz Stiftung im abendlichen Mercedes-Benz Museum in Stuttgart zusammen, um seinen Vortrag „Bedrohte Biodiversität? Was passieren muss, damit uns die Vielfalt des Lebens nicht verloren geht“, zu hören.

Als Teil der Natur und der natürlichen Stoffkreisläufe stehe der Mensch in Abhängigkeit von dieser ihn umgebenden biologischen Vielfalt. Mittlerweile jedoch gehe die Artenvielfalt dramatisch zurück, was insbesondere einer expandierenden Land- und Forstwirtschaft, einer immer weiter ansteigenden Weltbevölkerung und dem Klimawandel geschuldet sei, stellte Vogel fest. Dazu trage auch bei, dass der Mensch rund die Hälfte seines Kalorienbedarfs mit durchschnittlich nur vier Arten von Lebewesen decke und sich zunehmend einseitig ernähre.

Eine Agrarlandschaft, die nur noch aus Wäldern und Grünflächen bestehe, befördere den aktuellen Rückgang der Artenvielfalt. Wo nichts blühe, gebe es keine Bestäuber, wo keine Blumenwiesen gedeihen, fehle es auch an der Nahrungsgrundlage für zahlreiche Insekten und damit für Vögel. Zu Zeiten Luthers habe es noch rund 95 Prozent natürliche Vegetation und allenfalls 500 Millionen Menschen weltweit gegeben, heute gebe es weniger als 50 Prozent natürliche Vegetation und es leben etwa 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde – einhergehend mit einem weiter stark ansteigenden Ressourcenverbrauch. Insbesondere in den Meeren sei die Situation mittlerweile kritisch: Rund 90 Prozent der Bestände seien überfischt.

Eine vordringliche Aufgabe sei es deshalb, möglichst viele Arten wissenschaftlich zu bestimmen und zu erforschen, denn gegenwärtig bestehe die Gefahr, dass wir die bestehende Biodiversität unseres Planeten schneller verlören, als sie zu entdecken. Es gelte derzeit eine mehrfache Krise zu bewältigen, da der starke Rückgang natürlicher Lebensräume, das damit zusammenhängende Verschwinden vieler Tier- und Pflanzenarten, die mit intensiver und großräumiger Landwirtschaft einhergehende Land- und Bodenzerstörung sowie die globale Klimaerwärmung sich in ihren Effekten verstärkten. „Die Welt muss deshalb vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen zusammenarbeiten. Das können wir beispielsweise durch Einrichtungen, die die Biodiversität erforschen, erreichen“, so Vogel. „Auch eine nachhaltige ökologische Wirtschaft ist möglich, die finanziellen Ressourcen dazu sind vorhanden.“ Dabei genüge es ausdrücklich nicht, auf die Verantwortung vermeintlicher Entscheidungsträger zu verwesen: „Es kommt nicht nur auf die Politik und die Unternehmen an, sondern besonders auf das Handeln jedes Einzelnen von uns.“ Wichtig sei es deshalb, das Thema Naturschutz in die Öffentlichkeit zu bringen. „Das ist eine wichtige Aufgabe von uns Forschern: Wir müssen die Motivation bei den Bürgern wecken und sie für die Bedeutung der Natur und der Biodiversität begeistern.“ Der Umgang mit Natur sei immer auch emotional, hier liege ein wichtiger Hebel zur gesellschaftlichen Veränderung.