Impulse für Wissen

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Prof. Dr. Christiane Woopen

(Foto: Reiner Zensen)

34. Bertha Benz-Vorlesung

Prof. Dr. Christiane Woopen
European Group on Science and New Technologies

01. Juni 2017
Forschungs- und Entwicklungszentrum der Heidelberger Druckmaschinen AG, Heidelberg

Die massenhafte Erhebung sowie die digitale Verfügbarkeit personenbezogener Daten eröffnet der medizinischen Forschung völlig neue Horizonte. Durch die systematische Aufbereitung von Daten zu Gesundheit, individueller Disposition und Lebensstil könnte schon bald eine sogenannte Präzisionsmedizin entstehen. Medikamente und Therapien werden auf das persönliche Gewebe- und Stoffwechselprofil abgestimmt und mehr noch: Präventive Verhaltensempfehlungen für Sport, Ernährung und Medikation sollen helfen, das Entstehen von Krankheiten überhaupt zu verhindern. Jeder Bürger hätte seine Gesundheitsdaten auf dem Smartphone verfügbar und könnte sich ein effektives Paket aus Gesundheitsdienstleistungen zusammenstellen.

Mit den faszinierenden Chancen einer individualisierten Gesundheitsversorgung gehen aber auch große ethische Herausforderungen einher. Wie können unsere hochsensiblen Gesundheitsdaten ausreichend geschützt werden? Wer gewährleistet die Sicherheit von Gesundheits-Apps und damit unsere Privatsphäre? Werden wir zum gläsernen Patienten? Oder wird unser bisher solidarisches Gesundheitssystem am Ende gar von einer datengesteuerten Gesundheitsdiktatur untergraben?

Christiane Woopen wird in ihrem Vortrag der Frage nachgehen, wie wir die Chancen einer digitalisierten Gesundheitsversorgung nutzen und gleichzeitig deren ethischen Herausforderungen meistern können.

Prof. Dr. Christiane Woopen studierte Humanmedizin und Philosophiein Köln, Bonn und Hagen. An der Universität zu Köln ist siegeschäftsführende Direktorin des Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health, das sich inter- und transdisziplinärer Forschung und Beratung widmet, und in dessen Fokus die Themen Altern und demografischer Wandel, Gesundheitskompetenz sowie Gesundheit und Gesellschaft im digitalen Zeitalter stehen. Als Professorin für Ethik und Theorie der Medizin leitet sie zudem die Forschungsstelle Ethik an der Medizinischen Fakultät, an der sie auch Prodekanin für Akademische Entwicklung und Gender ist. Von 2012 bis 2016 war sie Vorsitzende des Deutschen Ethikrates und von 2014 bis 2016 Präsidentin des 11. Global Summit of National Ethics Committees. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Beiräten ist Christiane Woopen Mitglied im International Bioethics Committee der UNESCO sowie seit April 2017 in der European Group on Science and New Technologies, die die EU-Kommission berät.

Die Veranstaltung ist nicht öffentlich. Wenn Sie Interesse an einer Anmeldung haben, wenden Sie sich bitte an Frau Susanne Hallenberger (hallenberger@daimler-benz-stiftung.de).

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Bertha Benz-Vorlesung mit Verleihung des Bertha Benz-Preises

In Anlehnung an den Pioniergeist, den visionären Charakter und das Engagement von Bertha Benz (1849-1944) in Bezug auf die Tauglichkeit des Automobils für Fernfahrten hat die Daimler und Benz Stiftung seit 1987 ein besonderes Veranstaltungsformat etabliert: die Bertha Benz-Vorlesung mit Preisverleihung. Expertinnen unterschiedlichster Branchen und Disziplinen sprechen zu frei gewählten Themen mit hoher Gesellschaftsrelevanz. Dabei wird jedes Jahr der mit 10.000 Euro dotierte Bertha Benz-Preis an eine Ingenieurswissenschaftlerin verliehen, die mit den Ergebnissen ihrer Dissertation einen gesellschaftlichen Mehrwert geschaffen hat.