Impulse für Wissen

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23. Berliner Kolloquium

22. Mai 2019
Karl Storz Besucher- und Schulungszentrum, Berlin

Pflegeroboter unterstützen oder ersetzen menschliche Pflegekräfte. Sie bringen und reichen Hilfsbedürftigen die benötigten Medikamente und Nahrungsmittel, helfen ihnen beim Hinlegen bzw. Aufrichten oder alarmieren bei Bedarf den Notdienst. Manche Patienten bevorzugen bei bestimmten Aufgaben Maschinen, etwa bei Waschungen im Intimbereich. Andere Tätigkeiten, vor allem in der sozialen Interaktion, scheinen heute noch ungeeignet für Pflegeroboter zu sein.

Die Fakten sprechen für sich: Die Zahl der Pflegebedürftigen wird bis zum Jahr 2030 um rund 50 Prozent steigen – rund 3,4 Millionen Menschen werden dann auf fremde Hilfe angewiesen sein. Gleichzeitig werden rund eine halbe Million Pflegekräfte fehlen. Die demografische Entwicklung verschärft diese Situation in doppelter Hinsicht: Immer weniger junge Menschen stehen als Altenpfleger zu Verfügung, hohe körperliche und psychische Belastungen lassen Arbeitnehmer aber früher und verstärkt aus den pflegenden Berufsgruppen ausscheiden.

Das 23. Berliner Kolloquium „Pflegeroboter – Wer hilft uns, wenn wir hilflos sind?” möchte sich dieser Thematik aus interdisziplinärer Perspektive nähern. Wissenschaftler der Fachbereiche Informatik, Robotik, Medizin, Philosophie und Hirnforschung stehen nach ihren Vorträgen für ein Gespräch zur Verfügung. Auch Patienten, die bereits Erfahrungen mit Pflegerobotern gemacht haben, sollen zu Wort kommen. Als wissenschaftlicher Leiter koordiniert Prof. Dr. Oliver Bendel sowohl die beteiligten internationalen Forscher als auch die teilnehmenden Experten aus der Praxis. Bendel lehrt seit 2009 als Dozent unter anderem für Wirtschaftsinformatik und Betriebsökonomie an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er leitete im Jahr 2018 den Ladenburger Diskurs „Pflegeroboter", woraus eine Open-Access-Publikation (Verlag Springer Science) hervorgehen wird, die auf dem Berliner Kolloquium ausgelegt werden kann.

Ziel des 23. Berliner Kolloquiums ist es, im Angesicht dieser fortschreitenden ethisch und technologisch hochkomplexen Entwicklung konkret zu werden: In nur wenigen Jahren werden Pflegeroboter über das Prototypen-Stadium hinaus in der Lage sein, im Bereich der Pflege vollständig oder teilautonom zu agieren. Insbesondere der Einsatz künstlicher Intelligenz eröffnet nicht nur bei selbstfahrenden Autos, in der Landwirtschaft oder der Luft- und Raumfahrt ganz neue Horizonte. Auch in die Grenzbereiche des Menschlichen werden diese Technologien vordringen – bei der Pflege von Schlaganfallpatienten, Demenzkranken oder bei Menschen mit Behinderung. Deshalb ist es von großer Bedeutung, wenn sich die Gesellschaft, theoretisch wie praktisch, technisch wie philosophisch, frühzeitig und bewusst auf ethische Rahmenbedingungen verständigt. Nicht zuletzt in Hinsicht auf eine zukünftige gesetzgeberische Basis erscheint es geboten, einen ganzheitlichen, interdisziplinären und wissenschaftlich fundierten Blick auf die Pflegebedürftigen zu entwickeln.

Neben der Verbindung von Theorie und Praxis soll beim 23. Berliner Kolloquium auch die internationale Perspektive auf das Thema „Pflegeroboter" erörtert werden. Nicht nur in Japan und vielen europäischen Staaten, sondern mit zeitlicher Verzögerung ebenso in China oder Indien wird die Problematik einer dramatisch steigenden Anzahl alter Menschen mit der Aufgabe verknüpft sein, diese trotz gravierenden Personalmangels mit Würde zu versorgen. Insbesondere wenn es um Datensicherheit oder Selbstbestimmung von Patienten in ihrer persönlichen Lebensführung geht, um Ernährung oder gar Zwangsernährung, vermag die politisch-kulturelle Dimension dieser weitreichenden Entwicklung kaum hoch genug veranschlagt werden.

 

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Berliner Kolloquium

Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik treffen sich einmal pro Jahr in der Hauptstadt für einen ganzen Tag zum etablierten Berliner Kolloquium der Daimler und Benz Stiftung. Die Themenkomplexe werden von der Stiftung vorgegeben. Sie reichen von aktuellen Fragestellungen der Mensch-Maschine-Schnittstelle, der Molekularmedizin, der Neuro- und Kulturwissenschaften über die Psychologie, Ökologie, Urbanistik und Informatik bis hin zu Kommunikations- und Managemententwicklungen.