Impulse für Wissen

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Dr. Franziska Beran

Als Leiterin der Forschungsgruppe „Sequestrierung und Detoxifizierung in Insekten” am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena interessierten sie die Anpassungsmechanismen pflanzenfressender Insekten an die natürliche, durch giftige Naturstoffe vermittelte Abwehr ihrer Wirtspflanzen. Frau Berans Forschungsobjekt ist die sogenannte Senfölbombe, das spezifische natürliche Abwehrsystem der Kreuzblütler, wozu viele bedeutende Nutzpflanzen wie zum Beispiel Raps, alle Kohlarten und Senf gehören. Die scharf schmeckenden Senföle dienen als sehr wirksame Verteidigung gegen viele Fraßfeinde, jedoch können sich einige Insektenarten, darunter Blattkäfer der Gattung Psylliodes, dieser Abwehr entledigen und werden so zu gefürchteten Schädlingen in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Die Anpassungen von Psylliodes-Käfern an die Senfölbombe werden mit molekularen Methoden untersucht, um herauszufinden, weshalb diese als Schädlinge so erfolgreich sind.

 

Dr. Alexis Goulet-Hanssens

Der Forschungsschwerpunkt von Herrn Goulet-Hanssens liegt auf der Entwicklung chemischer Systeme, deren chemische und physikalische Prozesse mit Licht gesteuert werden können. Schon während seines Bachelorstudiums an der Universität von Ottawa (Kanada) war er von lichtgesteuerten materiellen Veränderungen fasziniert. Während seiner Dissertation an der McGill-University Montreal vertiefte er dieses Interesse und untersuchte, wie mittels Licht biologische Systeme kontrolliert werden können. Darüber hinaus entwickelte er ein fotoschaltbares Polymer zur Anwendung beim Nanopatterning. Zurzeit arbeitet er als Postdoktorand an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsarbeit beinhaltet die Entwicklung von neuen molekularen Systemen, die zu dreidimensionalen Nanostrukturen mit lichtempfindlichen sowie katalytischen Funktionen zusammengebaut werden können. Die Lichtempfindlichkeit erlaubt es, mittels Licht die katalytische Funktion zu kontrollieren, und stellt so Strukturen zur Verfügung, mit denen unterschiedliche Produkte generiert werden können.

 

Dr. Franziska Greulich

Der Glukokortikoid-Rezeptor ist eines der pharmakologischen Haupt­ziele in der Behandlung entzündlicher Erkrankungen. Trotz hinreichend bekannter Nebenwirkungen wie Muskelatrophie, Diabetes oder Osteoporose nehmen circa 1-3% der Weltbevölkerung regelmäßig Glukokortikoide wie Kortison ein. Um das therapeutische Potenzial dieser Steroide besser nutzen zu können, ist es entscheidend, die molekularen Mechanismen von Wirkung und Nebenwirkung der Glukokortikoid-Therapie zu verstehen. Frau Greulichs Ziel ist es, die entzündungshemmende Wirkung der Glukokortikoide molekularbiologisch genauer zu untersuchen. Im Fokus ihres Interesses steht dabei eine Klasse kleiner RNA-Moleküle (mikro-RNAs). Mikro-RNAs sind 22-24 Nukleotide lange RNA-Spezies, die durch gezielte Bindung an Boten-RNAs die Proteinsynthese ganzer Signalwege hemmen können. Die Rolle dieser mikro-RNAs bei der entzündungshemmenden Wirkung von Glukokortikoiden soll mithilfe von neuesten genomischen Methoden charakterisiert werden, um in Zukunft neue, nebenwirkungsarme Therapieansätze zu bieten.

 

Dr. Thomas Grünewald 

Herr Grünewald erforscht die genetische und molekulare Grundlage von kindlichen Knochen- und Weichteiltumoren mit dem langfristigen Ziel, die Heilungsaussichten von Patienten zu verbessern. Das geförderte Projekt evaluiert sogenannte antibody-drug-conjugates für die zielgerichtete Therapie von hochmalignen Ewing-Sarkomen, um spezifischere und schonendere therapeutische Alternativen zu entwickeln. Grünewald studierte Medizin und Philosophie an der Universität Würzburg und in Niigata, Philadelphia, Sheffield, Newcastle upon Tyne sowie Buenos Aires. Im Jahr 2008 wurde er im Fach Klinische Biochemie zum Dr. med. promoviert und begann seine onkologische Ausbildung in der Kinder­klinik der Technischen Universität München. Dort wurde er im Jahr 2012 im Fach Medical Life Science and Technology mit Auszeichnung zum PhD. promoviert. Nach einem Postdoc-Aufenthalt am Institut Curie in Paris leitet er seit 2014 das Labor für Pädiatrische Sarkombiologie im Pathologischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München.

 

Dr. Eva Hoch

Am Beispiel von Gelenkknorpel soll der Aufbau von künstlichen Geweben mit biomimetischer intrinsischer Struktur mittels additiver Fertigungsverfahren, z.B. Tintendruck, realisiert werden. Dafür müssen Biomaterialien entwickelt werden, die einerseits druckbar sind – auch mit darin suspendierten lebenden Gewebszellen –, und andererseits nach dem Druckvorgang in Matrizes mit angemessenen biologischen und mechanischen Eigenschaften resultieren. Die angestrebten Knorpel­modelle können als Basis für eine verbesserte chirurgische Versorgung von Knorpelläsionen dienen. Außerdem können fortgeschrittene In-vitro-Gewebemodelle für Untersuchungen chemischer und pharmazeutischer Substanzen und zur Erforschung von therapeutischen Ansätzen eingesetzt werden. Frau Hoch studierte Biologische Chemie an der Hochschule Mannheim. 2013 promovierte sie an der Universität Stuttgart und ist seither dort als Postdoktorandin tätig. Mit diesem Projekt setzt sie ihre bisherigen Forschungstätigkeiten im Bereich Bioprinting fort.

 

Dr. Markus V. Hoehne

Die Achtung der Menschenrechte und die Verfolgung ihrer Verletzer ist seit den 1980er-Jahren zu einem global relevanten Thema geworden. Neben völkerrechtlichen Maßnahmen spielen dabei Techniken, die im Rahmen der forensischen Anthropologie entwickelt wurden, eine große Rolle. Das Projekt erforscht die Auswirkungen der Öffnung und forensischen Auswertung von Massengräbern in Somaliland (Nordwestsomalia). Dort sind Gerechtigkeitsvorstellungen von islamischen und traditionellen Werten beeinflusst. Auf theoretischer Ebene liegt der Fokus auf den „Übersetzungsleistungen” im Kontext von Technologie- und Wissens­transfer. Zentrale Fragen sind: Wie wirken sich die Exhumierungstechniken auf das Verständnis von Gerechtigkeit vor Ort aus? Was lässt sich daraus in Bezug auf Vergangenheitsaufarbeitung in Somalia insgesamt lernen, während das Land allmählich einen Weg aus einem 25 Jahre dauernden (Bürger-)Krieg findet? Wie funktioniert die globale Ökonomie von Vergangenheitsaufarbeitung und Zurechnungsfähigkeit?

 

Dr. Anne Jung

Die wachsende Bevölkerung bedingt einen steigenden Materialbedarf, der zu einer Rohstoffverknappung führt. Gleichzeitig werden ständig steigende Anforderungen an Werkstoffe gestellt. Damit sie den an sie gestellten Anforderungen Rechnung tragen können, kommt der ressourceneffizienten Nutzung anwendungsoptimierter Materialien eine immer größere Bedeutung zu. In diesen Kontext gliedern sich Ni/Al-Hybridschäume als neuer multifunktionaler Leichtbauwerkstoff ein. Ziel des Projektes ist die Aufklärung der Struktur-Eigenschafts-Beziehung und des Schädigungsverhaltens von Ni/Al-Hybridschäumen bei langsamer und dynamischer Belastung. Dazu soll nicht nur das globale Bauteilverhalten, sondern auch das lokale Verhalten der Stege von niedrigen bis zu dynamischen Deformationen untersucht werden. Frau Jung studierte Chemie an der Universität des Saarlandes (UdS) und promovierte 2012 in Technischer Mechanik und 2013 in Physikalischer Chemie. Sie leitet am Lehrstuhl für Technische Mechanik der UdS die Nachwuchsforschergruppe „Zelluläre Werkstoffe und mikromechanische Testung”.

 

Dr. Nina Keul

Seit Beginn der industriellen Revolution haben die Ozeane rund die Hälfte des anthropogen verursachten Kohlendioxids aufgenommen, was sich auf die Chemie des Meerwassers auswirkt und dessen pH-Wert senkt. Diese „Ozeanversauerung” beeinflusst die Meeresbewohner, so auch Pteropoden, die in der oberen Schicht des Meeres leben und ein Kalkgehäuse besitzen. Dieses Kalkgehäuse macht sie besonders anfällig für Ozeanversauerung. Um Aussagen über künftige Erwärmung und Versauerung zu treffen, untersucht Frau Keul Pteropodenproben aus Ozeansedimenten, die dort vor langer Zeit abgelagert wurden. Mittels einer genauen Datierung lassen sich so vergangene CO2- und Temperaturwerte rekonstruieren. Dies ist insofern relevant für zukünftige Prognosen, als es in der Erdgeschichte bereits Phasen mit hohen Temperaturen und CO2-Werten gab, die im Gegensatz zur gegenwärtigen Situation nicht anthropogenen Ursprungs waren, sondern natürlich auftraten. Eine genaue Quantifizierung des Zusammenhangs zwischen CO2 und Temperatur erlaubt Prognosen über die zu erwartenden Temperaturen in der Zukunft.

 

Jun.-Prof. Dr. Tobias Lenz

Für ihre Verdienste um Frieden und Wohlstand erhielt die Europäische Union (EU) im Jahr 2012 den Friedensnobelpreis. Wegen ihres Erfolges hat sie in vielen Teilen der Welt Nachahmer gefunden. Zudem fördert sie aktiv regionale Integrationsprojekte außerhalb Europas. Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt den Einfluss des EU-Institutionenmodells auf Regionalorganisationen in anderen Teilen der Welt. Mithilfe eines Mixed-Methods-Designs sollen insbesondere Fragen nach den Mechanismen und Bedingungen dieses Einflusses beantwortet werden. Tobias Lenz ist Juniorprofessor für Globales Regieren und Vergleichende Regionalismusforschung am Institut für Politikwissenschaft der Georg-August-Universität Göttingen in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg. Davor forschte er als Postdoc an der Freien Universität Amsterdam und der University of North Carolina in Chapel Hill. Tobias Lenz hat einen Abschluss der Universität Oxford als M. Phil. und D. Phil..

 

Dr. John Rauthmann

John Rauthmann beschäftigt sich an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einem zentralen menschlichen Motiv: Selbsterfüllung (d.h. sich selbst, seine Träume und Hoffnungen verwirklichen). Obwohl Selbsterfüllungsprozesse zentral für die eigene Lebensgestaltung, Zielorientierung und Persönlichkeitsentwicklung sind, sind sie bislang kaum erforscht. Das Projekt möchte daher verschiedene Fragen klären, z.B. was genau Selbsterfüllung ist, wonach wir darin suchen, wie wir sie (versuchen zu) bekommen und was sie uns bringt. Zunächst soll die bestehende Literatur (v.a. aus Philosophie und Psychologie) zu angrenzenden Konstrukten und Prozessen (z.B. Selbstverbesserung, Wohlbefinden etc.) systematisch gesichtet, organisiert und integriert werden, um ein theoretisches Rahmenmodell für Selbsterfüllung zu erhalten. Weitere empirische Projekte sollen dann aufzeigen, was Selbsterfüllung für verschiedene Personen bedeutet, um daraus ein psychometrisch validiertes Messinstrument für verschiedene Aspekte von Selbsterfüllung generieren zu können. Abschließend möchte das Projekt Selbsterfüllung(sprozesse) im Alltag betrachten, indem Personen mittels ambulatorischen Messmethoden (sog. experience sampling) begleitet werden. Zusammenfassend soll das Projekt den Grundstein für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Selbsterfüllung legen..

 

Dr. Annika Scior

Damit Proteine ihre biologische Funktion erfüllen können, müssen sie sich in eine spezifische dreidimensionale Struktur falten. Schlägt dieser Faltungsprozess fehl, verklumpen die un- oder falsch gefalteten Proteine miteinander und bilden sogenannte Aggregate. Dies ist von hoher medizinischer Bedeutung, da die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen (z.B. Alzheimer, Parkinson, Chorea Huntington) durch die Aggregation einzelner Proteine bedingt ist. Um die Entstehung solcher Aggregate zu verhindern, sind Zellen mit Faltungshelfern, sogenannten Chaperonen, ausgestattet. Erst kürzlich konnte ein trimerer Chaperonkomplex identifiziert werden, der in der Lage ist, bestehende Aggregate aufzulösen. Im geförderten Projekt soll dieser Komplex genau untersucht werden. Es soll analysiert werden, wie dieser Komplex zusammengesetzt ist, welche Proteinaggregate er auflösen kann, wie er reguliert wird, und ob er die Kapazität besitzt, die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen zu verhindern oder zu verzögern.

 

Dr. Marcella Woud

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann als Folge eines extrem belastenden Ereignisses auftreten. Die traumafokussierte Psychotherapie zielt vor allem auf eine explizite Auseinandersetzung mit abrufbaren traumarelevanten Kognitionen ab. Dieses Projekt untersucht, inwieweit ein computergestütztes Training – ein sogenanntes „Cognitive Bias Modification-Appraisal (CBM-App) Training”, das vor allem auf automatische, unzugängliche traumarelevante Kognitionen eingeht, den Therapieerfolg verbessern kann. Frau Woud promovierte an der Radboud-Universität Nijmegen mit Forschungsaufenthalten an den Universitäten in Harvard und Oxford. Zurzeit arbeitet sie als Postdoktorandin an der Ruhr-Universität Bochum. Mit dieser Studie setzt sie ihre bisherige Forschungstätigkeit zu CBM-App im Bereich der PTBS fort, wobei sowohl die experimentelle Grundlagenforschung als auch ihr Transfer auf klinische Psychotherapieforschung im Vordergrund stehen.

 

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Stipendienprogramm für Postdoktoranden

Die Daimler und Benz Stiftung vergibt jedes Jahr zehn Stipendien an ausgewählte Postdoktoranden, Juniorprofessoren oder Leiter junger Forschungsgruppen. Ziel ist es, die Autonomie und Kreativität der nächsten Wissenschaftlergeneration zu stärken und den engagierten Forschern den Berufsweg während der produktiven Phase nach ihrer Promotion zu ebnen. Die jährliche Fördersumme beträgt 20.000 Euro pro Stipendium, das für die Dauer von zwei Jahren gewährt wird: zur Finanzierung wissenschaftlicher Hilfskräfte, technischer Ausrüstung, Forschungsreisen oder zur Teilnahme an Tagungen. Durch Zusammenkünfte der jungen Spezialisten dieses stetig wachsenden Stipendiatennetzwerks in Ladenburg fördert die Daimler und Benz Stiftung zugleich den interdisziplinären Gedankenaustausch.