Impulse für Wissen

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Kerstin Wittmann-Englert

Friktion im Haus Huth

Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert
Technische Universität Berlin
Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik

18. Februar 2014
im Haus Huth, Berlin

Stalinallee und Hansaviertel: Zwei architektonische Großkomplexe prägen die Berliner Nachkriegsmoderne. Beide sollten die Prosperität und Besonderheit der Systeme ausdrücken, die sie hervorgebracht hatten. Beide sollen nun für das UNESCO-Weltkulturerbe kandidieren. Dafür kann man aus städtebaulicher Perspektive leicht Argumente finden. Die Architekturhistorikerin Kerstin Wittmann-Englert reibt sich an einer anderen Frage des Denkmalschutzes: „Zu beklagen ist weniger das Erbe der 50er-Jahre, welches die Schwelle der öffentlichen Akzeptanz bereits überschritten hat, als vielmehr jenes der beiden folgenden Jahrzehnte.“ Beispielhaft verdeutlichen dies zwei Bauwerke mit gleicher Funktion: das Haus der Kulturen der Welt (ehemals Kongresshalle) und das Internationale Congress Centrum (ICC) – Ersteres ein wertgeschätztes Denkmal, Letzteres ein als ungeliebtes Erbe deklariertes Gebäude. Je geringer unser zeitlicher Abstand zum baukulturellen Erbe, desto schwerer fällt uns die Einschätzung, was davon wir den künftigen Generationen erhalten wollen.

Zur Person:

Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert studierte Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur und Christliche Archäologie an der Freien Universität Berlin und in Bonn. 1990 legte sie ihre Promotion zu einem Thema der byzantinischen Kunstgeschichte vor. Seit 1999 ist sie im Fachgebiet Kunstgeschichte an der TU Berlin tätig, wo sie im April 2010 zur außerplanmäßigen Professorin ernannt wurde. Seit 2010 ist sie Vorsitzende des Landesdenkmalrates Berlin.
Ein Schwerpunkt ihrer Forschung ist die architektonische Nachkriegsmoderne. Über Kirchenbauten dieser Zeit habilitierte sie sich 2005 mit der Schrift „Zelt, Schiff und Wohnung“ (erschienen 2006). An dem im Oktober 2013 veröffentlichten Band „Baukunst der Nachkriegsmoderne. Architekturführer Berlin 1949-79“ war sie als Mitherausgeberin und Autorin beteiligt.

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