Impulse für Wissen

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Der Ausbruch des Vesuvs am 14. Mai 1771 gemalt von Pierre Jaques Volaire
© bpk / Staatliche Kunsthalle Karlsruhe / Wolfgang Pankoke

„Katastrophen“ fallen nicht vom Himmel. Vielmehr handelt es sich um Prozesse, die in unterschiedlicher Geschwindigkeit ablaufen können und dabei sowohl eine natürliche, eine kulturelle sowie eine technische Dimension aufweisen. Im Rahmen dieses Ladenburger Diskurses kommen unter der Leitung des Historikers Prof. Dr. Gerrit Jasper Schenk (Technische Universität Darmstadt) Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen zusammen und sondieren die Möglichkeiten einer interdisziplinären Erforschung von Trockenheit und Dürre als „slow onset disasters“ im mediterranen Raum. Erkenntnisziel ist es, Verlaufsformen und Wiederholungsstrukturen von Dürren und die hierfür relevante Verflechtungsprozesse von Umwelt, Kultur und Technik zu beschreiben. Als Jahrhunderte alte „Kontaktzone“ eignet sich der mediterrane Raum dabei besonders gut, um langfristige Wechselwirkungen von Umwelt, Kultur und Technik zu untersuchen.

Eine wichtige Rolle spielt zunächst die Identifikation zentraler Forschungskonzepte. Anhand verschiedener Modelle lässt sich eine Aussage darüber treffen, wie die Vulnerabilität von Gesellschaften gegenüber Katastrophen bestimmt werden kann. Anhand historischer Beispiele wird gut nachvollziehbar, welche Maßnahmen etwa im mittelalterlichen Italien das Herrschergeschlecht der Anjou in Folge einer Dürrekatastrophe ergriff (1266-1309) oder wie die Republik Siena auf eine trockenheitsbedingte Krise in den Jahren 1302 und 1303 reagierte, in deren Gefolge politische Prozesse wie durch einen Katalysator beschleunigt wurden und zu umfangreichen Investitionen in die Infrastruktur führten (Ausbau des Hafens oder Sicherung der Wasserversorgung). Für Spanien, Byzanz sowie den ostmediterranen Raum und die Subsahara lassen sich gleichfalls historisch hochinteressante Beispiele finden, die Aufschluss über erfolgreiche Adaptionsstrategien geben.

Das Forschungsfeld besitzt insofern eine besondere Relevanz, als bestimmte geschichtlich wiederkehrende Muster auch ein besseres Verständnis gegenwärtiger katastrophaler Prozesse von Hitzewellen, Dürren, Hungersnöten bis hin zu Revolutionen und Migrationsbewegungen ermöglichen. Die beteiligten Wissenschaftler ziehen es in Erwägung, das Thema innerhalb eines eigenen Forschungsvorhabens genauer zu untersuchen.

 

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Ladenburger Diskurse

Die Dynamik der Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Umwelt und Technik ist hoch. Um diese Prozesse angemessen zu verstehen, bedarf es einer ständigen und sachkundigen Reflexion auf wissenschaftlicher Ebene. Ein Forum der Stiftung für diese Reflexion ist der „Ladenburger Diskurs“. Wissenschaftler und Experten aus der Praxis erörtern den Stand der Forschung zu ausgewählten Fragen und klären, ob sich eine Fragestellung als Forschungsthema für das Förderprogramm der Stiftung eignet. Diskurse können auch dazu dienen, neue Themen für das Förderprogramm zu erschließen.
Darüber hinaus steht ein Diskurs auch zur Erörterung von Einzelfragen offen, ohne dass eine Fortführung des Themas im Förderprogramm der Stiftung beabsichtigt ist. 

Beantragung und Förderung