Impulse für Wissen

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Dr. Benjamin Lahusen
© Copyright: Mirko Krenzel/VolkswagenStiftung

Dialog im Museum

Dr. Benjamin Lahusen
Humboldt Universität, Berlin

22. September 2016
Mercedes-Benz Museum, Stuttgart

Noch im Februar 1945 schrieb Reichsjustizminister Otto Thierack an alle Gerichte, bei Feindannäherung erwarte er von seinen Behördenleitern, dass „in ihren Geschäftsbereichen in voller Ruhe“ weitergearbeitet werde. Obwohl die Gerichte unter Personalmangel litten, nicht selten in zerstörten Gebäuden tagten und Akten teilweise verbrannt waren, gab es kurz vor Kriegsende kaum einen Fall, der für die Justiz zu unbedeutend gewesen wäre. Deutsche Gerichte fällten in dieser Zeit nicht nur die sattsam bekannten Todesurteile; von Ehescheidungen über Nachbarschaftsstreitigkeiten bis hin zu Straßenverkehrsdelikten verhandelten sie mit stoischem Gleichmut weiter. 

In seinem Vortrag erläutert Benjamin Lahusen nicht nur, wie und worüber in den letzten Tagen und Wochen des Krieges Recht gesprochen wurde, sondern zeigt auch, wie viele dieser Prozesse erstaunlich nahtlos in der jungen Bundesrepublik fortgeführt wurden. Dabei berichtet der Jurist über unbekannte historische Ereignisse sowie über erschütternde Einzelschicksale, die ihm bei seiner Recherche begegneten. 

Zur Person:

Dr. Benjamin Lahusen studierte Rechtswissenschaften, nach seiner Doktorandenzeit am Frankfurter Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte wurde er 2009 an der Humboldt Universität zu Berlin promoviert. 2012 wurde er in das Stipendienprogramm für Postdoktoranden und Juniorprofessoren der Daimler und Benz Stiftung aufgenommen, 2014 wurde er Freigeist-Fellow der VolkswagenStiftung.

Podcast:

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