Impulses for knowledge

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Stipendiaten Alumni 2018
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Foto: © Daimler und Benz Stiftung / Oestergaard

21. - 23. September 2018
Carl Benz-Haus, Ladenburg

Prof. Dr. Lutz H. Gade, seit 2018 im Vorstand der Daimler und Benz Stiftung, eröffnete in der Geschäftsstelle das akademische Programm mit einer Begrüßung, in der er die fortwährende Bedeutung der Nachwuchsförderung im Wirken der Stiftung betonte. Im anschließenden ersten Vortrag des Nachmittags erörterte Prof. Dr. Frauke Rostalski, von der Universität zu Köln, die 2016 für ihre Arbeit zum Tatbegriff im Strafrecht von der Stiftung gefördert wurde, ob sogenannte Fake News unter das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) fallen. Rostalskis Ausführungen zum Thema behandelten die Frage, ob es einen gesetzlichen Anspruch darauf gebe, die Wahrheit zu erhalten. Dies berührte letztlich auch die Frage nach der Mündigkeit der Bürger und der Rolle der Medien in einer pluralistischen Gesellschaft.

Im Anschluss referierte Dr. Damien Farine vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell über Ergebnisse seines von der Stiftung geförderten Forschungsprojekts über die Dynamik kollektiver Bewegungen von Gruppen. Anknüpfend an die Beobachtung, dass es in der untersuchten Gruppe von Pavianen dominante und untergebene Individuen gibt, ging Farine der Frage nach, ob die dominanten Individuen auch die Anführer der Gruppe seien. Hierzu wurde die Paviangruppe über einen Zeitraum von 30 Tagen mithilfe von GPS-Sendern verfolgt. Es habe sich herausgestellt, dass nicht allein das Verhalten der dominanten Individuen die Entscheidungsfindung in der Gruppe beeinflusse, sondern ebenso das Verhalten der Mehrheit und insbesondere der nächsten Nachbarn in der Gruppe. Auch könne zu große Dominanz eines Individuums in einer Revolte durch eine hinreichende Anzahl untergebener Tiere resultieren. Aktuell untersucht Farine das Entscheidungsverhalten von wesentlich größeren Gruppen von Geierperlhühnern, um herauszufinden, ob Dominanz überhaupt eine Rolle für die Führerschaft spielt.

Von der Beeinflussung von Mitgliedern einer (Nutzer-)Gruppe berichtete auch Dr. Simon Munzert von der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Politikwissenschaftler befasst sich in seinem von der Stiftung geförderten Forschungsprojekt mit der Aktivität von Bürgern und Eliten auf dem Wikipedia-Marktplatz der politischen Information. Munzert berichtete, dass das Internet mittlerweile auf den zweiten Platz der Rangliste der meistgenutzten Informationsmedien geklettert sei – hinter dem Fernsehen, aber vor den Printmedien – und dass die Online-Enzyklopädie Wikipedia, als siebte der weltweit meistgenutzten Websites, seinen Befragungen zufolge von den Nutzern als vertrauenswürdiges Informationsmedium angesehen werde. Da die Wikipedia mit aktuell 450.000 Artikeln zu politisch handelnden Personen eine manifest politische Plattform ist, wertete Munzert die verfügbaren Daten zu den Bearbeitungen, sogenannter Edits, dieser Wikipedia-Artikel über Politikerinnen und Politiker aus und untersuchte mögliche Rückschlüsse auf Zielsetzungen der Edits.

Dr. Bilen Emek Abali von der Technischen Universität Berlin wird für seine Arbeit zur multiphysikalischen Simulation von Lithium-Ionen-Akkus von der Stiftung gefördert. Er führte in seinem Vortrag aus, wie nicht-kommerzielle Algorithmen integrierte thermomechanische und elektrodynamische Simulationen von physikalischen Systemen wie etwa Akkumulatoren ermöglichen. Während teure kommerzielle Angebote eine intuitive Bedienoberfläche und Wartungssicherheit böten, schränkten sie die Nutzer durch eine gegebene Auswahl an Materialien und Anwendungsbereichen sowie durch die Nichtzugänglichkeit des Programmcodes ein. Nicht-kommerzielle Open-Source-Programme seien hier überlegen, da alle in die Berechnung einbezogenen Gleichungen und alle Parameter im Programmcode frei zugänglich und editierbar seien.

Den Abschluss des Nachmittagsprogramms bildete der Vortrag von Dr. Michael Fritz vom Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Potsdam. Seine Arbeit zur Quantifizierung des Flusses von Kohlenstoffen, Nährstoffen und Sedimenten in den arktischen Küstenbereichen und entlang erodierender Permafrostküsten wurde 2016 von der Stiftung gefördert. Fritz führte den Fellows mithilfe von Zeitrafferaufnahmen eindrücklich den Schwund der Permafrostböden an der arktischen Küste vor Augen. Für das Jahr 2100 werde in der Atmosphäre eine zehnmal so große Menge Methan wie heute geschätzt, doch seien diese Schätzungen kontrovers, so Fritz. Die zuverlässige Einbeziehung der Permafrostböden in Klimaszenarien sei eine der großen Herausforderungen der Klimaforschung.

Prof. Dr. Stefan Jordan vom Astronomischen Rechen-Institut am Zentrum für Astronomie der Universität Heidelberg präsentierte in seinem öffentlichen Abendvortrag im Domhofsaal der Stadt Ladenburg die aktuellen Daten der Gaia-Mission.

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