Impulses for knowledge

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13. Innovation Forum

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Andreas Boes

16. November 2015
Haus Huth, Berlin

Das Auftauchen disruptiver Innovationen sei in völlig anderer Weise zu charakterisieren als zahlreiche eher evolutive technische Weiterentwicklungen der Vergangenheit, betonte Prof. Dr. Eckard Minx, Vorstandsvorsitzender der Daimler und Benz Stiftung in seiner Begrüßung zum 13. Innovationsforum. „Strategien, die bislang verlässliche ökonomische Erfolge garantierten, tragen nicht mehr.

Prof. Dr. Eckard Minx

© Daimler und Benz Stiftung/Hillig

13. Innovation Forum

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Andreas Boes

16. November 2015
Haus Huth, Berlin

Das Auftauchen disruptiver Innovationen sei in völlig anderer Weise zu charakterisieren als zahlreiche eher evolutive technische Weiterentwicklungen der Vergangenheit, betonte Prof. Dr. Eckard Minx, Vorstandsvorsitzender der Daimler und Benz Stiftung in seiner Begrüßung zum 13. Innovationsforum. „Strategien, die bislang verlässliche ökonomische Erfolge garantierten, tragen nicht mehr. Wenn wir die Augen vor den gewaltigen Herausforderungen verschließen, denen wir uns aktuell gegenübersehen, so wird sich dies als eine fatale Art der Ignoranz erweisen." Die rasante Ausbreitung gänzlich neuer Technologien, ihre Konnektivität und die mit ihr einhergehende Unmöglichkeit, alle Konsequenzen zu antizipieren, müssten Unternehmen, gerade in Europa, als Gefahr und Chance zugleich begreifen. „Blicken wir auf die Start-ups, auf die mit Risikokapital gut ausgestatteten Ideenschmieden des Silicon Valley, so enthüllt sich uns die unmittelbare Wucht dieser neuen Entwicklungen – die weltweit und über sämtliche Branchen hinweg Folgewirkungen zeigen wird."

Als wissenschaftlicher Leiter eröffnete der Soziologe und Volkswirtschaftler Dr. Andreas Boes vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. München das von der Daimler und Benz Stiftung organisierte Treffen von Wissenschaftlern und Managern. In seinem Vortrag „Produktivsprung Informationsraum – Geschäftsmodelle, Wertschöpfung und Innovation neu denken" berichtete er unter anderem über erste Ergebnisse einer Forschungsprojekts in Kalifornien. Über mehrere Wochen hinweg führte er eine Recherchereise durch, führte Interviews mit Unternehmensvertretern und analysierte intensiv die von ihnen angestoßenen Transformationsprozesse. „Wurde Informationstechnologie bislang oft als etwas abgetan, das am Rande wichtig sei, um die Effektivität industrieller Produktionsprozesse zu steigern, so geht dies völlig am Kern der Veränderungen vorbei, die wir seit zwei bis drei Jahren beobachten." Zu erkennen sei nicht nur eine ungeheure Beschleunigung der Innovationszyklen sondern – damit einhergehend – das Entstehen neuer Kommunikationsumgebungen. „Ob wir vom Internet-of-Things, von Cloud Working, Crowd Sourcing oder Industrie 4.0 sprechen, erst diese neue Kultur der Zusammenarbeit und die Bereitschaft Wissen aktiv zu teilen, hat solche Innovationen möglich gemacht." Für die Zukunft der Arbeit, Stichwort „Gamefizierung", stehe eine Revolution der Kooperationsbeziehungen an: Das klassische Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Gefüge bestehe hier nicht mehr. Es entstehe vielmehr ein System der permanenten Bewährung, das allerdings gerade in und für Deutschland modifiziert werden müsse. „Die Hinwendung zu einem extremen Technizismus, wie wir ihn derzeit in manchen Internetunternehmen sehen, darf uns nicht blind machen für die sozialen Verwerfungen, die mit diesem Wandel einhergehen werden."

Unter dem Titel „IT – Forerunner und Enabler der Umbrüche in der Wirtschaft" erläuterte Dr. Uwe Gross, Direktor IBM Global Business Services, seine Sichtweise der aktuellen Umbrüche. „Wir können gegenwärtig bestimmte Treiber der Digitalisierung identifizieren, die gemeinsam zu einer Vielzahl von Innovationen führen: Social Media, Analytics, Cloud und Mobile." Damit eine Innovation allerdings disruptiv wirke, müsse sie in ein ganzes Geflecht auch externer Rahmenbedingungen eingebunden sein. Nicht allein eine positive Nutzererfahrung entscheide über den Produkterfolg und die mögliche Umgestaltung eines Marktfeldes, sondern auch verschiedene politische und ökonomische Parameter hätten einen wichtigen Einfluss. „Eine wichtige Erkenntnis für Unternehmen sollte deshalb sein: Wir können Innovationen nur fördern, nicht erzwingen." Während etwa die Digitalfotografie einen disruptiven Sprung zunächst im Bereich der Fotografie und später in zahlreichen anderen Branchen ausgelöst habe, stehe dies beispielsweise bei der Elektromobilität aus. „Die wichtigste Herausforderung für Unternehmen wird es in Zukunft sein, Mitarbeiter zu befähigen und ihnen Verantwortung zu übertragen. Dies stellt, gerade in manchen Konzernen, aber auch eine gewaltige Lernaufgabe für die tradierte Führungskultur dar."

Über „Agilität gefragt: Innovation und Entwicklung in der Industrie“ referierte Dr. Stephan Hönle von der Robert Bosch GmbH. Zunächst sei es für ein Unternehmen mit weltweit rund 45.000 Mitarbeitern an 941 Standorten wichtig, nicht nur die Herausforderungen des aktuellen Tagesgeschäfts effektiv und koordiniert zu meistern, sondern auch klar zu identifizieren, welches die Märkte der Zukunft seien. So habe Bosch für sich unter anderem die Megatrends Demografie, Verstädterung, Energie und Klima sowie Mobilität der Zukunft identifiziert. Der derzeitige rasante technologische Wandel bringe eine ganz spezifische Herausforderung mit sich: die Bereitschaft zu strategischen Entscheidungen unter unsicheren Bedingungen. Bosch halte es deshalb für herausragend wichtig, „agil“ zu bleiben, denn nur so könne auf Veränderungen angemessen reagiert werden. „Diese Bereitschaft zur Agilität umschließt sowohl die Struktur der gesamten Organisation wie auch das kommunikative Verhältnis der Mitarbeiter untereinander.“ Für die Zukunft werde die Bereitschaft zu internem „Knowledge Sharing“ von entscheidender Bedeutung sein, wie rasch und damit erfolgreich Großunternehmen auf disruptive Innovationen reagieren bzw. diese als Geschäftsmodell selbst voranbringen könnten.

Den Abschluss des Innovationsforums bildete der Vortrag des Publizisten André Wilkens, der mit seinem Buch „Analog ist das neue Bio“, wie er selbst sagt, eine „Navigationshilfe durch die digitale Welt“ geben möchte. Seine Analyse der aktuellen Situation führe ihn zum Schluss, dass gewisse Begrenzungen, denen die analoge Welt unterliege, sich durchaus gewinnbringend in die digitale übertragen ließen. Dies müsse nicht mit Einschränkungen für den Alltag einhergehen, sondern könne vielmehr als ein positiver Trend erachtet werden, der neue kreative Freiräume schaffe und auch Lebensbereiche dem Zugriff einer allgegenwärtigen Online-Öffentlichkeit entziehe.

Dokumentation

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