Impulses for knowledge

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Prof. Dr. Eckard Minx
 

Prof. Dr. Reinhold Bauer
 

Arbeitsgruppen

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Daimler und Benz Stiftung/Hillig

11. Innovation Forum

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Reinhold Bauer

15. September 2014
Haus Huth, Berlin

Rund 50 junge Manager aus verschiedenen Branchen sowie Nachwuchsforscher unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen kamen am 15. September auf Einladung der Stiftung zu einem gemeinsamen Workshop im Berliner Haus Huth zusammen. Im Zentrum des 11. Innovationsforums stand eine zutiefst menschliche Erfahrung, die allerdings nicht nur Individuen, sondern auch Organisationen und Großunternehmen bis ins Mark zu erschüttern vermag: das Scheitern.

„Das Bewältigen von Scheitern ist eine kulturelle Leistung", stellte Prof. Dr. Eckard Minx, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung in seiner Begrüßung fest. In Deutschland herrsche immer noch jenes tief verwurzelte Denken vor, dass ein unternehmerisches Scheitern der Biographie als fortwährendes Kainsmal anhafte. Ein weit kreativerer Umgang mit dem Scheitern könne etwa in den USA beobachtet werden, wie es die Redewendung „fail early, fail fast, fail often" zum Ausdruck bringe. „Scheitern lässt sich oft nicht vom Nicht-Scheitern unterscheiden", so sein Fazit. Viele geniale Erfindungen z.B. im Silicon Valley seien überhaupt erst vor dem Hintergrund dieses produktiven Umgangs mit dem Scheitern und seiner Verwandlung in ein „fail better" entsprungen. Weshalb gerade in diesem Umfeld zahlreiche geniale Erfindungen entstanden seien, deren technologischer Siegeszug die Welt im Nachhinein verblüffte, sei der Erforschung und Diskussion wert.

In seinem Vortrag „Grundsätzliche Überlegungen zu einer Soziologie des Scheiterns" erörterte Prof. Dr. Werner Vogd von der Universität Witten/Herdecke die Fernwirkungen von Scheiternserfahrungen. „Scheitern ist mehr als eine Information, die zum Lernen genutzt werden kann, Scheitern stellt zugleich eine Krise dar, die das Selbst bedrohen kann". Dies gelte für Individuen wie für Organisationen. Grundsätzlich sei davon auszugehen, dass auch Organisationen so etwas wie ein „Selbst" besäßen und sowohl die Prozesse des Scheiterns, als auch die Kompensationsmechanismen, um dieses Scheitern zu bemänteln, als verschränkt zu begreifen seien.

Prof. Dr. Reinhold Bauer von der Universität Stuttgart, der wissenschaftliche Leiter dieses Innovationsforums, referierte über das Thema „Scheitern als Chance – Historische Fehlschlagsforschung". Bauer, dessen Forschungsschwerpunkt in der ZEIT als „Floppologie" umschrieben wurde, wies darauf hin, dass die Existenz vieler Misserfolge schlichtweg aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt worden sein. Anhand der gescheiterten Einführung des „Lastrohrfloßes" in den 1940er-Jahren sowie dem verhinderten Einsatz des Stirlingmotors Ende der 1980er-Jahre in Automobilen erläuterte er, dass es tatsächlich oft die äußeren Umstände oder gar Zufälle seien, die auch technisch ausgereiften Produkten den Markteintritt verwehren. „Die Technikgeschichte ist kein gerader Weg, der Friedhof fehlgeschlagener Entwicklungen ist voll. Die Ursachen sind vielfältig – wie eine schwankende staatliche Investitionspolitik oder schlicht weil sich die Welt außerhalb des Entwicklungsumfeldes verändert hat."

Im weiteren Verlauf referierte Dr. Ingo Köhler von der Universität Göttingen „Marktwandel und Scheitern. Anpassungsprobleme der Wirtschaftswunderzeit – Unternehmen in den 1970er-Jahren". Nicht zuletzt tiefgreifende gesellschaftliche Wandlungsprozesse hätten zum Scheitern großer Unternehmen beigetragen, so seine These, die er am Beispiel des Niedergangs von Neckermann und AEG illustrierte.

In seinem Vortrag „In welchem Sinne können nicht nur Unternehmen sondern auch Märkte scheitern" erläuterte Privatdozent Dr. Philipp Hessinger von der Universität Magdeburg, weshalb konventionelle Ansätze zum Verständnis von Marktmechanismen heute nicht mehr ausreichen. Primär solle nicht länger die neoklassische Beziehung zwischen Angebot und Nachfrage im Zentrum einer neuen und umfassenden Markttheorie stehen. Vielmehr sei die Entstehung von Märkten als ein hoch geplanter Prozess zu begreifen, in dessen Zentrum die Produktrahmung stehe. „Das Koordinationsmuster der Märkte zerbricht, wenn das Ineinandergreifen komplexer Handlungskoordinaten, wie etwa der Wertfindungsprozess, scheitert."

In Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer des Innovationsforums über die vorgestellten wissenschaftlichen Ansätze. Das 12. Innovationsforum, es findet im Frühjahr 2015 statt, wird die erarbeiteten Grundlagen aufgreifen und um weitere Forschungsperspektiven ergänzen.

Dokumentation

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Innovation Forum

The Innovation Forum is set up as an intensive workshop. The Daimler and Benz Foundation conceived of The Forum as a way of bridging the gap between theory and practice in everyday academic life. The project is targeted at young business, research and organizational administrators, who work with academics from various fields to evaluate organizational theories and management concepts with regards to how well they function in real-life work situations. To date, topics have included “power,” “insecurity,” “absorptive capacity” and “path research.”