Impulses for knowledge

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Prof. Dr. Eckard Minx

© Copyright:
Daimler und Benz Stiftung/Hillig

12. Innovation Forum

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Reinhold Bauer

20. April 2015
Haus Huth, Berlin

Zum zwölften Mal richtete die Daimler und Benz Stiftung das Innovationsforum. Im Fokus des Workshops, der am 20. April im Berliner Haus Huth stattfand, stand vor allem die persönliche Dimension des Scheiterns als gleichermaßen emotionale wie intellektuelle Herausforderung. „Scheitern kann für jeden oft ganz unvermittelt zur harten Realität werden. Gerade in Deutschland, im Land der Planer und Perfektionisten, erweist sich der Umgang mit dieser Erfahrung - weiter die Möglichkeit aus ihr gar zu lernen - als eine nicht geringe Herausforderung für das Individuum", so Prof. Dr. Eckard Minx, Vorsitzender des Vorstands der Daimler und Benz Stiftung in seiner Begrüßung. „Auch wenn das Thema mittlerweile die Zeitungen in zahlreichen Facetten bevölkert: Ein ernsthaftes sich Einlassen auf diese Frage kann nur gelingen, wenn wir uns ihr in angemessener Differenziertheit und mit wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit stellen." Als wissenschaftlicher Leiter begrüßte Prof. Dr. Reinhold Bauer von der Universität Stuttgart die rund 40 anwesenden jungen Manager sowie Nachwuchsforscher und führte in den Tag ein.

Über das Thema „Die Möglichkeit des Scheiterns als Bedingung für Erfolg" referierte Dr. René John von Institut für Sozialinnovation, Berlin. Seit der frühen Neuzeit, insbesondere durch Einflüsse der Reformation und einer raumgreifenden wissenschaftlichen Autoritätskritik, habe die Erfahrung des Scheiterns in Hinsicht auf die handelnde Person eine völlig neue und multilaterale Dimension gewonnen, lautete seine Einschätzung. Scheitern könne als Verlust von Handlungsoptionen betrachtet werden, zugleich dürfe Erfolg jedoch immer nur als deren temporäre Erweiterung begriffen werden.

Attila von Unruh, Gründer der „Anonymen Insolvenzler", berichtete über seine ganz persönliche Erfahrung mit dem plötzlichen Niedergang einer gutgehenden, von ihm gegründeten Agentur und damit einhergehenden biographisch-sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Konsequenzen. Entschieden trat er für eine Enttabuisierung des Themas in der Öffentlichkeit sowie einer Veränderung der aktuellen politischen Rahmenbedingungen bei Privatinsolvenz ein. Von Unruh berichtet aus seiner Praxis als Berater, wie es nicht nur gelang, zahlreiche Unternehmen wieder auf ein tragfähiges ökonomisches Fundament zu stellen, sondern wie ‚gescheiterte' Unternehmer ihre Erfahrungen nutzbringend für sich, aber auch für andere Unternehmer und Existenzgründer verarbeiten konnten.

In seinem Vortrag „Nachher ist man immer klüger – Schicksal oder Potential?" vermittelte Dr. Klaus Doppler, Organisationsberater aus München, einen Einblick in seine langjährige Beratungserfahrung insbesondere großer Firmen sowie von Familienunternehmen. „Der oft tief sitzende Opportunismus vieler Manager erzeugt ein Gefühl scheinbarer Sicherheit. Zugleich gefährdet dieses Verhalten aber die Innovationskraft erheblich und vermag Firmen in eine existenzbedrohende Schieflage bringen." Der studierte Theologe unterstrich, dass gerade nicht allein betriebswirtschaftliche Faktoren den Ausschlag geben, sondern dass eine positive – und damit langfristig erfolgreiche – Unternehmenskultur stets vieldimensional zu gestalten sei. „Für mich als Berater bedeutet dies: Eine unhöfliche Gelassenheit ist Teil der Kunst Veränderungen voranzutreiben!"

Sehr präzise schilderte die aus den USA stammende Volkswissenschaftlerin Dr. Elizabeth Harrison jene Vorgänge rund um ihren medienwirksamen Rücktritt als Vorsitzende der Geschäftsführung der Städtischen Kliniken München im Jahr 2013. Zunächst als Expertin bestellt, um einen Hygieneskandal aufzuarbeiten, scheiterte sie schließlich an politischen Verflechtungen und mangelndem Reformwillen der Verantwortlichen. „Aus amerikanischer Perspektive ist es wichtiger, das Potenzial einer Person zu erkennen, als nur ihre aktuelle Leistung zu bewerten", so ihre Einschätzung. Auch bemerke sie immer wieder, wie wenig Raum in Deutschland Lernprozessen eingeräumt werden, die sich an der Praxis orientieren: „Learning by doing wird in Amerika hoch eingeschätzt. Denn so kann jemand beweisen, dass er in einem bestimmten fachlichen Umfeld auch mit Rückschlägen fertig wird und sich persönlich und in seinen Kompetenzen permanent weiter entwickelt."

Den Abendvortrag bestritt der Sachbuchautor und Filmkritiker Bert Rebhandl mit seinem Beitrag „Über Slapstick und Blamage, Kreativität und Optimismus". Im Mittelpunkt standen dabei Filme von Charlie Chaplin und Buster Keaton, die er als filmisch-künstlerische Interpretationen von Scheitern analysierte.

Dokumentation

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Innovation Forum

The Innovation Forum is set up as an intensive workshop. The Daimler and Benz Foundation conceived of The Forum as a way of bridging the gap between theory and practice in everyday academic life. The project is targeted at young business, research and organizational administrators, who work with academics from various fields to evaluate organizational theories and management concepts with regards to how well they function in real-life work situations. To date, topics have included “power,” “insecurity,” “absorptive capacity” and “path research.”