Ambulant Assessment: Können digitale Methoden die Psychotherapie verbessern?
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Bereits vor über einem Jahrhundert führte der Arzt und Psychologe Sigmund Freud (1856–1939) bei seinen Patienten Psychotherapien auf der Couch durch. Nicht nur methodisch hat sich seither viel verändert. Die Psychotherapieforschung ist längst ein etabliertes wissenschaftliches Feld, das eine Vielzahl wirksamer Behandlungsansätze hervorgebracht hat. Dennoch zeigt sich heute ein überraschendes Bild: Obwohl immer mehr Erkenntnisse vorliegen, verbessern sich die Behandlungserfolge insgesamt nur wenig.
Ein möglicher Grund dafür ist, dass die psychische Gesundheit von Patienten durch Faktoren beeinflusst wird, die außerhalb des Therapieraums liegen. Dazu zählen die persönlichen Lebensumstände, etwa Familiensituation, finanzielle Verhältnisse, Arbeitsbedingungen und Zusatzbelastungen durch Pendelzeiten oder Schichtarbeit. Da Psychotherapie überwiegend in wöchentlichen Sitzungen stattfindet, ist der Einblick der Therapeuten in die tatsächliche Lebenswelt ihrer Patienten begrenzt.
Die digitale Methode des sogenannten „Ambulant Assessment“ eröffnet hier neue Perspektiven. Per Smartphone oder Tablet erfolgen kurze und wiederkehrende Befragungen der Patienten zu ihrer Alltagssituation. So lassen sich Gedanken, Gefühle, Verhalten oder körperliche Reaktionen in Echtzeit erfassen – und zwar dort, wo sie entstehen. Das Ambulant Assessment lässt sich unkompliziert in den persönlichen Alltag integrieren und potenziell auch in der psychotherapeutischen Praxis nutzen.
Mit dieser innovativen Verknüpfung von Therapie und Alltag gehen große Erwartungen einher: Patienten könnten stärker in den Therapieprozess eingebunden werden, während Therapeuten individuelle Veränderungen genauer nachvollziehen und fundiertere Entscheidungen treffen könnten. Bislang fehlen jedoch belastbare wissenschaftliche Belege dafür, ob und unter welchen Bedingungen diese Ansätze die Wirksamkeit von Psychotherapien tatsächlich verbessern.
Der Ladenburger Diskurs bringt Experten aus Psychotherapie, digitaler Gesundheit und Forschung zusammen, um grundlegende Fragen zu klären: Hat Ambulant Assessment das Potenzial, die Wirksamkeit von Psychotherapien zu verbessern? Wie wirken solche Ansätze im Detail? Ist die Methode langfristig und kosteneffizient umsetzbar? Ziel ist es, eine gemeinsame Forschungsagenda zu entwickeln, die den aktuellen Stand dokumentiert und den Weg für künftige Studien ebnet.