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ANKÜNDIGUNG

Digitalisierung des Rechts – Rechtsbegriff und Erzählungen

 
 

Bislang agiert, wie seit Jahrhunderten, unser Rechtssystem „analog“: Gesetzestexte werden durch Richter, Staatsanwälte und Verteidiger ausgelegt und auf einen konkreten Fall angewandt. Doch auch die Rechtsprechung kann sich dem tiefgreifenden Einfluss der Digitalisierung nicht entziehen. Der Einfluss von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz wird vielmehr so weitreichend sein, dass nicht einfach „Regelungsinhalte“ betroffen sind, sondern vielmehr auch unser Verständnis, was Recht und Rechtsprechung bedeuten, grundlegend hinterfragt werden muss.

Der für Herbst 2020 in Aussicht genommene Diskurs soll ein Gespräch zwischen Informatikern, Juristen, Philosophen, Linguisten sowie Vertretern weiterer wissenschaftlicher Disziplinen in Gang bringen und wird sich u. a. der Frage widmen, welche Entwicklungen bei der Digitalisierung des Rechts in den nächsten Jahren zu erwarten sind und wie wir mit diesen umgehen sollten. Wie können gesetzliche Regelungen maschinell bzw. algorithmisch lesbar gemacht werden? Wie wird sich das Verhältnis zwischen dem Staat als Souverän und seinen Bürgern gestalten, wenn Urteile automatisiert ergehen? Wie können Transparenz, Gleichbehandlung und die Wahrung demokratischer Werte garantiert werden, wenn Maschinen den Urteilsprozess leiten? Welche Rolle werden im Bereich der Verwaltung oder der Wirtschaft bspw. automatisierte Verträge, Smart Contracts, spielen und ist es ethisch vertretbar, Regelverstöße durch eine „Citizen score“ abzubilden?

Um diese Forschungsfragen umfassend zu beantworten, sollen gezielt auch rechtsphilosophische Ansätze berücksichtigt werden, die erstmals in der Epoche der Aufklärung formuliert wurden. Bereits damals wurden Vorstellungen von Automaten entworfen, die in der Lage sind, auf idealisierte Weise Recht zu sprechen. Angesichts des schnellen Fortschritts auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz erscheint die Vision eines solchen „juristischen Automaten“ realistischer als je zuvor.

Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Jan C. Schuhr, Institut für deutsches, europäisches und internationales Strafrecht und Strafprozessrecht, Universität Heidelberg


Die drei sogenannten „Jaquet-Droz-Automaten“, Schreiber, Organistin und Zeichner, entstanden um 1774. Je nach eingesetzter Nockenscheibe kann der Schreiber automatisch Texte mit bis zu 40 Zeichen niederschreiben.