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Vernetzte Kooperation für mehr Kinder- und Jugendschutz

 

Im Förderprojekt „Kooperation gestalten – Netzwerke im kommunalen Kinderschutz“ widmen sich Wissenschaftler der Fachhochschule Erfurt zusammen mit Fachleuten aus der Praxis der Analyse und Weiterentwicklung von Kooperationen unterschiedlicher Institutionen im kommunalen Kinderschutz. Das Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Jörg Fischer wird für einen Zeitraum von drei Jahren mit rund 145.000 Euro gefördert.

Der Schutz von Kindern stellt eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe dar. Nach zahlreichen tragischen Ereignissen wurde mit dem Bundeskinderschutzgesetz im Jahr 2012 ein verbindlicher Rechtsrahmen zur Kooperation geschaffen: Dieser verpflichtet die Akteure Jugendhilfe, Bildung, Gesundheit, Polizei, Justiz und freie Träger zur Zusammenarbeit, um Gefährdungen des Kindeswohls vorzubeugen.

Trotz der vorhandenen gesetzlichen Grundlagen zeigen empirische Daten und Erfahrungen aus der Praxis einen deutlichen Handlungsbedarf, denn die Gefährdungsquote von Kindern steigt kontinuierlich. Neben der wachsenden Zahl gemeldeter Vorfälle nimmt auch die Komplexität der einzelnen Fälle zu. Deren Bearbeitung erfordert eine enge Abstimmung verschiedener Professionen und Institutionen, die leider häufig durch unklare Verantwortlichkeiten und fehlende Kommunikation beeinträchtigt wird. Diese Fragmentierung kann dazu führen, dass zu spät erkannt wird, wann sich Kinder und Jugendliche in Krisensituationen befinden, und sie nicht ausreichend geschützt werden können.

Um diese Lücke zu schließen, bedarf es empirischen Wissens, wie Kooperation in kommunalen Kontexten tatsächlich gelingt, welche Faktoren sie stabilisieren bzw. behindern und wie die gesetzlichen Anforderungen in gelebte Praxis übersetzt werden können. Netzwerkarbeit im Sinne eines organisierten, institutionalisierten Zusammenschlusses von Akteuren stellt ein Steuerungsinstrument dar, das auf gemeinsame Zielerreichung, abgestimmte Entscheidungsprozesse und einen Ausgleich von Machtverhältnissen ausgerichtet ist.

Ziel des dreijährigen Förderprojekts ist es, die Umsetzung gesetzlicher Kooperationsvorgaben empirisch zu untersuchen. Erfolgs- und Hemmfaktoren gelingender Zusammenarbeit sollen ermittelt und theoretisch eingeordnet werden, um daraus einen praxisorientierten Leitfaden zur systematischen Implementierung kommunaler Kinderschutznetzwerke zu entwickeln. Durch den engen Austausch mit Politik und Fachpraxis sowie einer partizipativen Forschung leistet das Projekt einen Beitrag zur Stärkung einer evidenzbasierten und nachhaltigen Kinderschutzpraxis.

Projektleitung
  • Prof. Dr. Jörg Fischer, Fachhochschule Erfurt, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften
Weitere Beteiligte
  • Jörg Backes, Nationales Zentrum Frühe Hilfen
  • Amy-Louise Buse, Fachhochschule Erfurt, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften
  • Constanze Graf, Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie
  • Prof. Dr. Theresa Hilse-Carstensen, Institut für kommunale Planung und Entwicklung e.V., An-Institut der FH Erfurt
  • Gabriele Wittstock, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt