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Schöner wohnen statt besser aussehen?
Die einzigartige Evolution der Laubenvögel

 
 
 

In der Reihe der virtuellen Stipendiatentreffen lädt die Daimler und Benz Stiftung gemeinsam mit dem Alumni-Verein ihre derzeit geförderten und ehemaligen Stipendiaten zu einem Online-Vortrag und anschließender Diskussion ein. Der ehemalige Stipendiat der Stiftung, Prof. Dr. Norbert Lenz, berichtet über seine Forschung an Laubenvögeln im australischen Regenwald.

Laubenvögel sind wie die Paradiesvögel eine Familie von Singvögeln, die nur in Australien und Neuguinea heimisch sind. Die Mehrzahl der Arten beider Familien zeigt ein auffälliges Balzverhalten, weshalb früher angenommen wurde, sie seien nahe miteinander verwandt. Ihre DNA verriet aber, dass Paradiesvögel nahe mit Rabenvögeln verwandt sind, während zur Verwandtschaft der Laubenvögel typisch australische Vogelfamilien wie die Leierschwänze zählen.

Bei der Balz der Laubenvögel spielen neben Besonderheiten ihres Gefieders vor allem die aufwendig konstruierten, dekorierten und sogar bemalten Balzplätze, die namengebenden „Lauben“, eine wichtige Rolle. Die Männchen versuchen, sich mit möglichst vielen verschiedenen Weibchen zu verpaaren und beschädigen oder bestehlen die Lauben ihrer Konkurrenten – Verhaltensweisen, die mitunter geradezu „menschlich“ wirken. Bei ihren „Diebeszügen“ unterscheiden die Laubenvogel-Männchen sogar zwischen seltenem und weniger seltenem „Diebesgut“.

Da es unter den Laubenvögeln Arten mit mehr oder weniger buntem Gefieder gibt und auch deren Lauben unterschiedlich stark dekoriert werden, ist es nicht nur für Evolutionsbiologen spannend zu beobachten und zu untersuchen, wie sich diese Unterschiede auf den jeweiligen Paarungserfolg auswirken. Laubenvögel sind somit ein Paradebeispiel für sexuelle Selektion.

Der Referent hat – mit Unterstützung durch die Daimler und Benz Stiftung – mehrere Jahre lang Lauben- und Paradiesvögel in Australien und Neuguinea untersucht. Dabei entstand eindrucksvolles Bildmaterial, mit dem das einzigartige Paarungsverhalten dieser Vögel lebendig vermittelt werden kann.

Prof. Dr. Norbert Lenz studierte Biologie in Bayreuth und Kiel und war von 1989 bis 1994 Doktorand an der Griffith University in Brisbane (Queensland, Australien). Für seine Dissertation über die Evolutionsökologie des Gelbnacken-Laubenvogels (Sericulus chrysocephalus) wurde er 1994 zum Doctor of Philosophy promoviert.

Nach Stationen als Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Wollmatinger Ried, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bodensee-Naturmuseums Konstanz, stellvertretender Direktor der wissenschaftlichen Sammlungen und des Insektariums beim Löbbecke-Museum und Aquazoo Düsseldorf war Lenz von 2007 – 2008 Direktor des Naturhistorischen Museums Mainz und Leiter der Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz. Seit Mai 2008 ist er Direktor des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe.

 


© Norbert Lenz