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Stipendiaten 2022
 
 

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Dr. Georgia Chalvatzaki
(Computer Science)
TU Darmstadt, Institut für Informatik
„Intelligente Mensch-Roboter-Interaktion für bidirektionale Objektübergaben“

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich im Themenfeld Mensch-Roboter-Interaktion (MRI) mit dem Ziel, Roboter aus den strukturierten Laborumgebungen in unsere Wohnungen zu bringen. Konkret konzentriert sich Frau Chalvatzaki auf Algorithmen für „Intelligente MRI für bidirektionale Objektübergaben“, die es Robotern ermöglichen, zu verstehen, wie sich Menschen bei Übergaben bewegen und verhalten, den menschlichen Schutzraum zu berechnen und ihre Aktionen so zu steuern, dass sie den menschlichen Absichten bei der Übergabe entsprechen, und die es deshalb ermöglichen, das menschliche Vertrauen durch risikoaverses Roboterverhalten zu maximieren.

Georgia Chalvatzaki ist Assistenzprofessorin und Forschungsleiterin der Gruppe für intelligente Robotersysteme zur Assistenz an der TU Darmstadt. Sie entwickelt neuartige Methoden für Assistenzroboter unter Verwendung von maschinellem Lernen und klassischen Ansätzen.

 
 
 
 
 
 

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Dr. Astrid Dröse
(Literaturwissenschaft)
Universität Tübingen, Deutsches Seminar
„Das deutsche Barocklied im europäischen Kontext“

Die Frühe Neuzeit ist eine Epoche des Liedes. Lieder sind Bestandteil des religiösen Lebens, der bürgerlichen Geselligkeit wie der höfischen Kultur; sie finden sich in studentischen Kontexten, begleiten Feste und prägen die Alltagswelt der Menschen aller Schichten. Im deutschen Sprachraum tragen konfessionelle und regionale Besonderheiten vom ausgehenden 16. bis ins spätere 17. Jahrhundert – dem Zeitalter des literarischen Barock – zu einer außergewöhnlichen Produktivität und Vielfältigkeit der Liedkultur bei. Entscheidend für diese Entwicklung ist – so die These des Projekts – der europäische Kulturtransfer sowie die rege Übersetzungstätigkeit dieser Epoche. Diese Interkulturalität des deutschen Barockliedes soll aus literatur- und musikgeschichtlicher Perspektive ergründet werden. Auf diese Weise wird erstmals die „andere“ Genealogie einer Gattung erschlossen, die in der Romantik zur Weltliteratur aufsteigt.

Astrid Dröse ist akademische Rätin a. Z. am Deutschen Seminar der Universität Tübingen. Nach dem Studium an der LMU München war sie Kollegiatin im Internationalen Doktorandenkolleg „Textualität in der Vormoderne“ (Elitenetzwerk Bayern); die Promotion mit einer Studie zum weltlichen Lied im 17. Jahrhundert erfolgte 2015. 2018 bis 2020 war sie Stipendiatin des Athene-Programms (Tübingen), seit 2018 leitet sie das DFG-Projekt „Liedkultur des 17. Jahrhunderts als Übersetzungskultur“.

 
 
 
 
 
 

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Dr. Mathias Häußler
(Geschichte)
Universität Regensburg, Institut für Geschichte
„Tourismus und Nation im Kaiserreich“

Zwar reisen Menschen schon seit Jahrtausenden, die touristische Reise – das zweckfreie Reisen zur Vergnügung – ist jedoch ein Kind der Moderne. Auch im neu gegründeten Deutschen Kaiserreich verwandelten sich Landschaften wie der Rhein, Kur- und Seebäder wie Baden-Baden oder Großstädte wie Berlin in frühe touristische Zentren. Dieses Projekt untersucht, ob und inwiefern der entstehende Tourismus des 19. Jahrhunderts dazu beitrug, kollektive Vorstellungen der Nation in der Alltagskultur des Kaiserreichs zu verfestigen. Es fragt aber auch, welche Orte keinen Platz auf der touristischen Landkarte fanden und welche Prozesse der sozialen Exklusion mit neuartigen touristischen Praktiken einhergingen.

Mathias Häußler ist seit 2018 Akademischer Rat a. Z. an der Universität Regensburg. Zuvor war er Lumley Research Fellow am Magdalene College der University of Cambridge, wo er 2015 auch promovierte.

 
 
 
 
 
 

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Dr. John Molloy
(Chemie)
Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Abteilung für Biomolekulare Systeme
„Carbon Dots as an Enabling Technology in Sustainable Strategies for Contemporary Photocatalysis“

Die Fähigkeit der Natur, sich das Sonnenlicht als Energiequelle in der Photosynthese nutzbar zu machen, ist ein Phänomen, das Wissenschaftler seit Jahrzehnten im Labor nachbilden wollen. Durch die Entwicklung der Photokatalyse ist es schließlich gelungen, die Energie des sichtbaren Lichts im Labor zu nutzen. Dieses Verfahren hat die moderne Synthese revolutioniert, da sie den Aufbau erwünschter chemischer Bindungen ermöglicht. Obwohl die Photokatalyse oft als „grüner“ Ansatz für die chemische Synthese angesehen wird, führt die Verwendung von teuren und seltenen Edelmetallen wie Iridium oder Ruthenium dazu, dass die entwickelten Protokolle weniger nachhaltig sind, als sie zunächst scheinen. Um dieses Problem zu lösen, beschäftigen sich neue Strategien mit der Entwicklung von Katalysatoren aus Materialien besserer Verfügbarkeit. Mit der Natur als biologischem Vorbild konzentriert sich dieses Projekt auf die Entwicklung von sogenannten Carbon Dots, die aus natürlichen Ressourcen stammen und in neuen photokatalytischen Methoden zum Einsatz kommen sollen.

John Molloy promovierte in Chemie an der University of Strathclyde (UK). Er wechselte als Alexander-von-Humboldt-Stipendiat an die Universität Münster, bevor er eine Stelle als unabhängiger Liebig-Stipendiat in der Abteilung Biomolekulare Systeme am MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung antrat.

 
 
 
 
 
 

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Dr. Judith Schmitz
(Psychologie)
in Kooperation mit der Reinhard Frank-Stiftung
Universität Göttingen, Institut für Psychologie
„Hören, Sehen und Bildungserfolg: Zusammenspiel von Genetik und Umwelt“

Bildung hat positive Effekte auf zahlreiche Aspekte unseres Lebens. Ein nicht unerheblicher Anteil der Varianz in Bildungsjahren wird durch genetische Faktoren erklärt, sodass schon zum Zeitpunkt der Befruchtung keine Chancengleichheit gegeben ist. Genetische Faktoren beeinflussen den Bildungserfolg nicht nur direkt, sondern auch darüber, dass Menschen mit einem bestimmten Genotyp mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bestimmte Umweltbedingungen erfahren (Gen-Umwelt-Korrelation). Das Forschungsvorhaben widmet sich der Frage, ob ein Teil der genetischen Faktoren, die mit Bildungsjahren assoziiert ist, tatsächlich einen Einfluss auf das kindliche Seh- und Hörvermögen und darüber einen Effekt auf den Bildungserfolg ausübt. In diesem Fall könnten frühzeitige Interventionen zu mehr Chancengleichheit beitragen.

Judith Schmitz ist Psychologin und promovierte an der Ruhr-Universität Bochum. Nach einem Forschungsaufenthalt an der School of Medicine der University of St Andrews (Schottland) ist sie als Postdoktorandin am Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie an der Universität Göttingen tätig.

 
 
 
 
 
 

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Dr. Katharina Schregel
(Medizin)
in Kooperation mit der Reinhard Frank-Stiftung
Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung für Neuroradiologie
„Charakterisierung der Biomechanik des ischämischen Schlaganfalls mittels MR-Elastographie“

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Ursachen für Tod und Funktionseinschränkungen im Erwachsenenalter. Einige Patienten profitieren gut von einer Behandlung, während die Beschwerden anderer trotz erfolgreicher Therapie bestehen bleiben. Die Ursachen dafür sind noch nicht genau verstanden. Die Auswirkungen eines Schlaganfalls auf das Gehirn sind komplex und mit etablierter Bildgebung nur unvollständig erkennbar. Daher sollen die nach einem Schlaganfall ablaufenden Vorgänge mittels Magnetresonanz-Elastographie, einem hochinnovativen Verfahren zur Messung mechanischer Gewebeeigenschaften, charakterisiert werden. So könnten Aussagen zum wahrscheinlichen Krankheitsverlauf ermöglicht und Informationen für weitere Behandlungsansätze gewonnen werden, die in der etablierten Bildgebung verborgen bleiben.

Katharina Schregel studierte Humanmedizin an der Universität zu Lübeck. Ihre in Lübeck und Paris angefertigte Promotionsarbeit wurde mit dem Otto-Roth-Preis der Universität zu Lübeck ausgezeichnet. Nach dem Studium begann sie ihre Facharztweiterbildung zur Radiologin an der Universitätsmedizin Göttingen und forschte zwischenzeitlich DFG-gefördert am Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School in Boston. Aktuell arbeitet sie klinisch und wissenschaftlich in der Abteilung für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Heidelberg.

 
 
 
 
 
 

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Dr. Mima Stanojkovski
(Mathematik)
RWTH Aachen University, Institut für Mathematik
Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, Leipzig
„Groups from Matrices from Varieties“

Gruppen sind algebraische Strukturen, die natürlicherweise als Symmetrien von Objekten auftreten. Neben ihrer zentralen Rolle in der Mathematik findet die Gruppentheorie Anwendung in Physik, Chemie und Informatik. Unter endlichen Gruppen sind zahlreiche p-Gruppen zu finden, die grundlegend, aber zugleich sehr kompliziert sind. Aus diesem Grund ist es oft vorteilhaft, p-Gruppen in natürlichen Familien zu untersuchen. Dieses Projekt betrifft p-Gruppen, die durch Matrizen linearer Formen definiert sind; diese sollen vom Standpunkt ihrer inneren Geometrie sowohl aus theoretischer als auch rechnerischer Sicht untersucht werden.

Mima Stanojkovski studierte Mathematik an der Università degli Studi di Trento (Italien), der Università degli Studi di Padova (Italien) und der Universiteit Leiden (Niederlande). Sie promovierte 2017 an der Universiteit Leiden und war danach Postdoktorandin an der Universität Bielefeld und dem Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig. Seit 2021 ist sie im Rahmen des Sonderforschungsbereichs TRR 195 Postdoktorandin an der RWTH Aachen.

 
 
 
 
 
 

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Dr. Franziska Traube
(Chemie)
LMU München, Institut für Chemische Epigenetik
„Mechanistische Einblicke in die Wirkungsweise von Azanukleosiden zur Krebsbekämpfung“

Da alle Zellen eines Organismus das gleiche Erbgut haben, gibt es eine Regulationsebene, das Epigenom, welche dafür sorgt, dass Gene gezielt an- und ausgeschaltet werden. In Krebszellen ist das Epigenom stark verändert, was maßgeblich zur Krebsentstehung und -entwicklung beiträgt. Azacytosine werden als Zytostatika eingesetzt, weil sie auf Genom- und auf Epigenomebene eingreifen, um so Krebszellen in den Zelltod zu treiben. Ihr Einsatz ist bislang jedoch wegen ihrer hohen ungerichteten Toxizität stark beschränkt und es ist kaum verstanden, wann sie besonders wirksam sind. Ziel des Projekts ist es, aufzuklären, wie Azacytosine auf molekularer Ebene in zelluläre Prozesse eingreifen, um damit ihren breiteren Einsatz gegen Krebs zu ermöglichen.

Franziska Traube studierte Biochemie an der TU München. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Johns Hopkins University in Baltimore promovierte sie 2020 mit Auszeichnung an der LMU München, wo sie seit Oktober 2021 eine Nachwuchsgruppe leitet.

 
 
 
 
 
 

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Jun.-Prof. Dr. Lena Veit
(Biowissenschaft)
Universität Tübingen, Institut für Neurobiologie
„Syntaxlernen zur vokalen Kommunikation bei Singvögeln“

Menschen passen sich in Gesprächen mühelos dem Gegenüber an und reagieren flexibel auf Umweltreize. Singvögel sind eines der wenigen Tiere, die Vokalisationen durch Imitation von Artgenossen lernen, so wie Menschen die Sprache. Damit sind sie eines der wichtigsten Modelle in der neurobiologischen Grundlagenforschung, um die Arbeitsmechanismen neuronaler Netzwerke zu verstehen, die vokales Lernen zulassen. Vögel singen, um ein Revier zu verteidigen oder Partner zu beeindrucken – aber können sie ihren Gesang auch flexibel an gelernte Kommunikationssituationen anpassen? In diesem Projekt soll erforscht werden, welche Prozesse der sequenziellen Bildung des Gesangs aus einzelnen Silben zugrunde liegen und eine flexible Umsortierung der Silben in unterschiedlichen sozialen Kontexten ermöglichen. Das Ziel ist es, die Funktionsweise des Gehirns bei der Steuerung komplexer Sequenzen zu verstehen.

Lena Veit studierte Bioinformatik und Neurowissenschaften an der Universität Tübingen. Nach einem Forschungsaufenthalt am MIT promovierte sie in Tübingen mit einer Arbeit über exekutive Kontrollfunktionen bei Rabenkrähen, die mehrfach ausgezeichnet wurde. Anschließend forschte sie vier Jahre lang an der University of California, San Francisco, und dem Howard Hughes Medical Institute. Seit 2020 ist sie Juniorprofessorin für Neurobiologie der vokalen Kommunikation in Tübingen.

 
 
 
 
 
 

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Dr. Lisa Vondung
(Chemie)
Universität Göttingen, Institut für Anorganische Chemie
„Kontrolle der Reaktivität von Uranverbindungen“

Im Anreicherungsprozess von Uran für Kernkraftwerke fallen große Mengen schwach radioaktives abgereichertes Uran als Nebenprodukt an, welches aktuell kaum weitere Verwendung findet. Dies liegt unter anderem an dem im Vergleich zu anderen Metallen deutlich geringeren Verständnis der Chemie des Urans. Bereits bekannt ist jedoch, dass Uranverbindungen oft außergewöhnliche Reaktivität gegenüber kleinen Molekülen wie N2 oder CO2 zeigen. Bislang gelang es jedoch kaum, diese Reaktivität für weitere Prozesse zu nutzen. In diesem Projekt werden deshalb neue Liganden für Uranverbindungen entwickelt, die eine Steuerung dieser Reaktivität ermöglichen. Aufbauend darauf können dann katalytische Prozesse zur Spaltung und Transformation kleiner Moleküle entwickelt werden.

Lisa Vondung studierte Chemie an den Universitäten Marburg und Stockholm und promovierte 2017 an der Philipps-Universität Marburg. Im Anschluss forschte sie als Postdoktorandin an der University of Manchester (Großbritannien) und ist seit 2021 Nachwuchsgruppenleiterin an der Georg-August-Universität Göttingen.

 
 
 
 
 
 

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Jun.-Prof. Dr. Kilian Wegner
(Jura)
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), Juristische Fakultät
„Europäisierung der Geldwäschebekämpfung: Zeitenwende für die Anti-Money-Laundering-Architektur in Deutschland?“

Am 20. Juli 2021 hat die Europäische Kommission ein umfangreiches Regulierungsvorhaben zur Geldwäschebekämpfung angekündigt. Erstmals soll ein unmittelbar geltendes Geldwäscherecht der Europäischen Union geschaffen werden, das nicht mehr der Umsetzung durch die Mitgliedstaaten bedarf und die nationalen Vorschriften in weiten Teilen ersetzen würde. Geplant ist zudem, eine EU-Behörde für die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ins Leben zu rufen, die die Arbeit der nationalen Behörden koordinieren und hin zu einer kohärenten unionsweiten Aufsichtskultur führen soll. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Debatte über dieses europäische Gesetzgebungsvorhaben wissenschaftlich zu begleiten und dabei insbesondere die Auswirkungen auf das deutsche Geldwäscherecht und die deutsche Behördenarchitektur zur Bekämpfung der Geldwäsche aufzuzeigen.

Kilian Wegner studierte Rechtswissenschaft an der Bucerius Law School und wurde dort 2020 zum Dr. iur. promoviert. Seit dem Sommersemester 2021 hat er eine Juniorprofessor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) inne.