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Stipendiaten 2021
 
 

Dr. Joshua Philip Barham
(Chemie, Organische Chemie)
Universität Regensburg, Institut für Organische Chemie

„Kobaltkatalysatoren gewinnen Licht und elektrische Energie für neuartige Verfahren zur Synthese organischer Moleküle“

Die chemische Synthese auf Basis des sichtbaren Lichts ist der grundlegende Prozess der biologischen Photosynthese auf der Erde. Chlorophyll agiert als farbiger Katalysator, indem es Energie in Form von sichtbarem Licht absorbiert und diese dann nutzt, um transparente Moleküle (CO2, H2O) anzuregen. In den letzten 20 Jahren haben Forscher mit der künstlichen Photosynthese organischer Moleküle die Natur nachgeahmt, sind dabei aber in hohem Maße auf künstliche Seltenerd- bzw. Übergangsmetall-Photokatalysatoren (Ruthenium, Iridium) angewiesen. Solche Katalysatoren sind aber nicht langfristig stabil, und die Spannweite ihrer energetischen chemischen Transformationen ist dadurch eingeschränkt, dass sie die Energie nur eines einzelnen Photons auf einmal nutzen. Das Projekt verwendet Kobaltporphyrine als bio-inspirierte, nachhaltige Katalysatoren auf Basis eines Übergangsmetalls der ersten Reihe. Die Katalysatoren nutzen sowohl elektrische als auch Photonenenergie, um hochenergetische chemische Prozesse unter milden Bedingungen zu bewirken. Diese Katalyse soll bei neuartigen Verfahren zur Synthese organischer Moleküle, z.B. bioaktiver Heterozyklen, angewandt werden.

Joshua Barham provomierte in Chemie an der University of Strathclyde (Großbritannien). Nach einer Zeit als Postdoc an der University of Shizuoka sowie an einem nationalen Institut (AIST) in Japan leitete er ein Nachwuchs-Forschungsgruppe an der Universität Regensburg mit Unterstützung durch einen Sofja-Kovalevskaja-Preis.

 
 
 
 
 
 

Dr. Sandra Dinter
(Englische Literatur- und Kulturwissenschaft)
Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Anglistik und Amerikanistik
„Auf den Spuren britischer Fußgängerinnen im 19. Jahrhundert“

Das Gehen ist die ursprünglichste Form der menschlichen Fortbewegung, trotzdem verändern sich seine kulturellen Bedeutungen und Praktiken stets. Wie Menschen gehen, wird von Faktoren wie sozialer Schicht, Geschlecht, Alter und Ethnizität bestimmt. Dies zeigt sich insbesondere in Großbritannien im 19. Jahrhundert, wo sich der Spaziergang als Freizeitbeschäftigung in den privilegierten Gesellschaftsschichten etablierte und im Zuge der Industrialisierung von neuen Fortbewegungsmitteln Konkurrenz erhielt. Frauen, die gesellschaftlich in der häuslichen Sphäre verortet waren, mussten besondere Vorkehrungen treffen, um ihre soziale und moralische Integrität auf Straßen und Wegen zu signalisieren. Die Studie untersucht, wie die britische Literatur und Kultur zwischen 1800 und 1900 die Figur der Fußgängerin nutzen, um anhand ihrer Bewegungen Debatten über Geschlechterrollen, Klassenordnungen und Modernisierungsprozesse zu verarbeiten.

Sandra Dinter promovierte 2017 an der Universität Bielefeld zu Kindheitskonstruktionen im englischen Roman der Gegenwart. Seit 2018 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Erlangen-Nürnberg tätig, wo sie zu Repräsentationen von Raum und Mobilität im Viktorianischen Zeitalter forscht.

 
 
 
 
 
 

Dr. Stefanie Egidy
(Rechtswissenschaften, Öffentliches Recht)
Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, Bonn
„Strategische Prozessführung in der Demokratie“

Zivilgesellschaftliche Akteure nutzen in Deutschland zunehmend das Instrument der „strategischen Prozessführung“, um soziale und gesellschaftliche Probleme zu bewältigen. Mithilfe herkömmlicher Rechtsbehelfe wollen sie die Gerichte in Dienst nehmen, um das Recht zu verändern, staatliche Akteure unter Druck zu setzen oder die Öffentlichkeit zu mobilisieren. Im Kern der Analyse steht die Frage, wie Gerichte als Foren dieser Prozesse mit der strategischen Inanspruchnahme umgehen. Die Ergebnisse sollen die (Verfassungs-)Gerichtsbarkeit stärken und ihrer wachsenden Infragestellung in Europa entgegenwirken.

Stefanie Egidy studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Würzburg und Bergen sowie der Yale Law School (LL. M.). Sie promovierte mit einer rechtsvergleichenden Arbeit zu „Finanzkrise und Verfassung“, die mehrfach ausgezeichnet wurde. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Habilitandin am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern.

 
 
 
 
 
 

Dr. Lennart Gilhaus
(Geschichte, Alte Geschichte)
Universität Bonn, Institut für Geschichtswissenschaft
„Grenzen und Entgrenzungen von Kriegsgewalt in vormodernen Gesellschaften“

Gewalt und Krieg sind Grundphänomene der Menschheitsgeschichte. Gerade Kriegssituationen können Dynamiken von Gewalt freisetzen, die einerseits den Blick auf die Normen der Gesellschaften freilegen, anderseits die Bedeutung von situationalen Aspekten für den konkreten Vollzug von Gewalt verdeutlichen. Dieses Spannungsverhältnis soll systematisch für ausgewählte vormoderne Gesellschaften in kontrastierenden Vergleichen untersucht werden. Das Projekt will so einen Beitrag zu einer historischen Anthropologie der Gewalt liefern.

Lennart Gilhaus ist Althistoriker und forscht als Akademischer Rat an der Universität Bonn. Forschungsaufenthalte führten ihn an die Universitäten Straßburg, Luxemburg und Utrecht. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören neben der lateinischen Epigrafik und der griechischen Historiografie vor allem Gewaltphänomene in antiken Gesellschaften.

 
 
 
 
 
 

Prof. Dr. Anika Klafki
(Jura, Öffentliches Recht)
Universität Jena, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insbesondere transnationales Verwaltungsrecht
„Planung und gesellschaftliche Einflussnahme“

In modernen Gesellschaften haben zukunftsgestaltende Instrumente wie die Planung Konjunktur. Rechtzeitig sollen Sicherungen gegen Gefahren getroffen und gesellschaftliche Entwicklungen gelenkt werden. Elementare Zukunftsprobleme wie etwa der Klimawandel lassen sich ohne breit angelegte Planungsprozesse nicht lösen. Auch Smart City-Konzepte bauen auf einem ganzheitlichen Planungsgedanken auf. Es gelingt bisher jedoch weder, als zu lang empfundene Planungsverfahren zu kürzen, noch daran anknüpfende Gerichtsstreitigkeiten oder Bürgerproteste zu befrieden. Im Rahmen des Forschungsprojekts werden drei Verfahrensgrundtypen entwickelt, über die sich Reformperspektiven ergeben, um die bestehenden Probleme besser zu bewältigen.

Anika Klafki studierte Rechtswissenschaften an der Bucerius Law School in Hamburg und promovierte dort 2016 am Lehrstuhl für Öffentliches Recht von Prof. Dr. Hermann Pünder, LL.M. Seit 2019 hat sie eine Juniorprofessur (tenure track) für Öffentliches Recht (insbesondere transnationales Verwaltungsrecht) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena inne.

 
 
 
 
 
 

Dr. Simone Mayer
(Biowissenschaft, Neurobiologie)
Universität Tübingen, Hertie-Institut für klinische Hirnforschung
„Auf den Spuren der menschlichen Hirnentwicklung“

Das menschliche Gehirn ist unvorstellbar komplex und ermöglicht damit unser Denken und Handeln. Aber gerade durch diese hohe Komplexität können Störungen zu psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen führen. In dem Forschungsprojekt geht es um die Frage, welche molekularen und zellulären Prozesse die Entwicklung der komplexen Struktur des menschlichen Gehirns steuern. Erkenntnisse aus diesem Forschungsfeld führen zu einem besseren Verständnis von Störungen der Hirnentwicklung im Kindesalter und darüber hinaus. Das langfristige Ziel der Arbeit ist es, Präventions- und Therapieansätze für solche Erkrankungen zu entwickeln.

Simone Mayer studierte Naturwissenschaften an der University of Cambridge (UK) und Molekularbiologie an der Universität Göttingen sowie an der Yale University (USA). Sie promovierte am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin und forschte anschließend an der University of California, San Francisco. Seit 2018 leitet sie eine unabhängige Forschungsgruppe am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung an der Universität Tübingen.

 
 
 
 
 
 

Dr. Bastian Oesterle
(Ingenieurwissenschaft, Computerorientierte Mechanik)
in Kooperation mit der Reinhard-Frank-Stiftung

Universität Stuttgart, Institut für Baustatik und Baudynamik
„Effiziente Simulation primärer und sekundärer Instabilitäten in mehrschichtigen Systemen“

Das Verständnis von Instabilitäten hat in vielen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen und darüber hinaus eine große Bedeutung. Neben experimentellen Untersuchungen gewinnen moderne Computersimulationsverfahren zunehmend an Bedeutung, leiden aber immer noch an unzureichender Effizienz und Verlässlichkeit der Methoden und Algorithmen. Das Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung effizienter Simulationsmethoden, die es ermöglichen, Stabilitätsprobleme in mehrschichtigen Systemen, die für die Morphogenese lebender Systeme sowie die Entwicklung innovativer technischer Lösungen von großer Bedeutung sind, in kurzer Zeit mit hoher Genauigkeit zu analysieren. Die angestrebten Entwicklungen sind nicht auf einzelne Disziplinen oder Anwendungen beschränkt, sondern weisen ein interdisziplinäres Anwendungspotenzial auf.

Bastian Oesterle studierte Bauingenieurwesen an der Universität Stuttgart und an der University of Calgary (Alberta, Canada). Er promovierte im Jahr 2018 an der Universität Stuttgart und ist seitdem dort als Postdoktorand und Arbeitsgruppenleiter am Institut für Baustatik und Baudynamik tätig.

 
 
 
 
 
 

Dr. Frank Reinhold
(Mathematikdidaktik, Empirische Lehr-Lernforschung)
in Kooperation mit der Reinhard-Frank-Stiftung

Pädagogische Hochschule Freiburg, Institut für Mathematische Bildung
„frACTIONs: Motivated Action in Learning Fractions with Digital Tools“

Implementationsstudien zeigen positive Effekte digitaler Tools auf den Lernerfolg. Dabei ist bislang jedoch nicht geklärt, wie diese positive Wirkung lehr-lern-psychologisch erklärt werden kann. Das Projekt greift hier an und untersucht, welchen Einfluss digital unterstützte Lernsettings darauf haben, wie Schülerinnen und Schüler Lernaktivitäten im Bereich der Bruchrechnung initiieren und durchführen. Dabei wird konkret das motivational-emotionale Engagement der Schülerinnen und Schüler und seine Wirkung auf den Lernerfolg in den Blick genommen und mit papierbasierten Lernsettings verglichen.

Frank Reinhold studierte Mathematik und Physik für das gymnasiale Lehramt an der Universität Regensburg und promovierte 2018 an der Technischen Universität München. Seine Arbeit zur Wirksamkeit von Tablet-PCs im Mathematikunterricht wurde mit dem Förderpreis der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik ausgezeichnet. Seit 2020 ist er Postdoktorand am Institut für Mathematische Bildung der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

 
 
 
 
 
 

Dr. Sebastian O. Schneider
(Wirtschaftswissenschaft, Verhaltensökonomie und experimentelle Wirtschaftsforschung)
Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, Bonn
„Smartphones, Social Media und psychische Gesundheit bei Jugendlichen“

Smartphones und Social Media sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Die Folgen dieser Omnipräsenz sind allerdings noch nicht ausreichend untersucht. Zwar wurde beobachtet, dass Jugendliche, die übermäßig viel Zeit am Smartphone oder auf sozialen Netzwerken verbringen, eher psychische Probleme haben. Bislang ist jedoch nicht geklärt, ob das problematische Smartphone- und Social-Media-Verhalten auch ursächlich für die schlechtere mentale Verfassung ist. Dies zu untersuchen ist ebenso Ziel des geplanten Projektes wie die Entwicklung und Evaluierung verschiedener Maßnahmen zur Reduzierung von Smartphone-/Social-Media-Nutzung und zur Verbesserung der psychischen Gesundheit von Jugendlichen.

Sebastian O. Schneider studierte Wirtschaftsmathematik an der Universität Mannheim. Er promovierte bis 2017 in Entwicklungsökonomie an der Universität Göttingen und forscht seitdem als Senior Research Fellow am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn. Dort befasst er sich mit menschlichem (Alltags-)Entscheidungsverhalten, insbesondere in Situationen, in denen Risiko eine Rolle spielt.

 
 
 
 
 
 

Dr. Jan Schuller
(Biochemie, Strukturbiologie)
Universität Marburg, Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (synmikro)
„Der Aufbau von Membranprotein-Komplexen mittels biologischer Montagebänder: Wie baut man eine biologische Wasserspalt-Maschine?“

Das Photosystem II, präsent in Pflanzen und Algen, fängt Sonnenlicht ein und spaltet Wasser in Sauerstoff und chemische Energie. Für Pflanzen ist der Sauerstoff ein giftiges Nebenprodukt, für uns ist er die Grundlage allen Lebens. Die Wasserspaltung selbst wird im Herzen einer molekularen Maschine katalysiert, dem Photosystem II, das aus mehr als 100 verschiedenen Einzelteilen besteht. Wie aus allen diesen Einzelbausteinen eine funktionierende Maschine wird, ist eines der großen ungeklärten Rätsel der Biologie. Ziel des Projekts ist es, die molekularen Montagelinien, die dabei eine Rolle spielen, vollständig zu erforschen und die einzelnen Schritte, die zum Aufbau des Wasserspaltungs-Zentrums von Photosystem II führen, mittels der Kryo-Elektronenmikroskopie-Einzelpartikelanalyse zu visualisieren.

Jan Schuller studierte Biochemie an der Universität Tübingen und promovierte 2016 an der Technischen Universität München. Nach einem vierjährigen Postdoktorat am Max-Planck-Institut für Biochemie leitet er seit 2020 eine Emmy Noether-Forschungsgruppe an der Philipps-Universität Marburg.

 
 
 
 
 
 

© Anne Günther

Prof. Dr. Giancarlo Soavi
(Physik, Festkörperphysik)
Friedrich-Schiller Universität Jena, Institut für Festkörperphysik
„Effiziente Lichtemission von an Metaflächen gekoppelten außerplanaren Exzitonen“

Seit der Entdeckung der Graphene im Jahr 2004 richtet sich der Fokus der naturwissenschaftlichen und technologischen Forschung auf Materialien, die aus nur einer einzigen Atomschicht bestehen. In den letzten Jahren ist ein neuer, verwandter Forschungsbereich entstanden, der sich mit dem Aufeinanderschichten solcher Ebenen befasst. Eine der faszinierendsten Eigenschaften dieser neuartigen geschichteten Nanostrukturen besteht in der Möglichkeit, Paare stark aneinander gebundener Elektronen und Löcher an der Schnittstelle solcher geschichteten 2D-Materialien zu erzeugen. Diese Elektron-Loch-Paare an den Schnittstellen, sogenannte außerplanare Exzitonen, sind äußerst stabil und bieten viele potenzielle Anwendungen im Quantenbereich. Ziel dieses Projekts ist es, außerplanare Exzitonen in geschichteten Nanostrukturen mittels elektrischer und optischer Stimuli zu generieren und zu manipulieren sowie kompakte Quantengeräte im Nanomaßstab zu entwickeln.

Giancarlo Soavi erwarb sein Ph. D. in Physik 2015 an der Technischen Universität Mailand („Politecnico“) und war anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der University of Cambridge tätig. Im Jahr 2019 wurde er zum Juniorprofessor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ernannt, wo er seitdem die Gruppe UltraFast Optical Spectroscopy (GUFOS) leitet.

 
 
 
 
 
 

Dr. Philip Willke
(Physik, Quantenphysik)
Karlsruher Institut für Technologie, Physikalisches Institut
„Kontrolle von einzelnen magnetischen Atomen“

Atome sind die Bausteine der Materie, verhalten sich aber als Teil des Mikrokosmos nach ganz anderen Naturgesetzen, der sogenannten Quantenmechanik. Mithilfe von hochauflösenden Mikroskopen sind wir in der Lage, Atome abzubilden und zu kontrollieren. Außerdem können wir ihre magnetischen Quantenzustände auslesen und beeinflussen. Ziel des Forschungsprojekts ist es, diese magnetischen Eigenschaften von verschiedenen Atomen und Molekülen nutzbar zu machen, zum Beispiel als neue Sensoren auf der Nanoskala sowie für neue Formen von Rechnerarchitekturen.

Dr. Philip Willke studierte Physik an der Universität Göttingen, wo er auch 2017 promovierte. Nach Postdoktoraten am IBM Almaden Research Center (Kalifornien) und dem Center for Quantum Nanoscience in Seoul, Südkorea, wechselte er im Juni 2020 ans Karlsruher Institut für Technologie. Hier leitet er seit Herbst 2020 eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe für quantenkohärente Kontrolle von Spins auf Oberflächen.