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Stipendiaten 2020
 
 

Jun.-Prof. Dr. Claudia Alfes-Neumann
(Mathematik, Zahlentheorie)
Universität Paderborn, Institut für Mathematik
„CM Integrals of Igusa Invariants"

Modulformen spielen eine große Rolle in der Zahlentheorie, Geometrie und vielen anderen Bereichen der Mathematik. Oft ergeben sich interessante Beziehungen zwischen verschiedenen Räumen von Modulformen, wie bei der Shimura-Shintani-Korrespondenz oder den Ergebnissen von Zagier zu erzeugenden Reihen der Spuren singulärer Moduli. Im Rahmen dieses Projekts soll mittels der Thetakorrespondenz eine solche Beziehung zwischen Siegelschen und elliptischen Modulformen untersucht werden. Insbesondere sollen die erzeugenden Reihen der CM Integrale (Integrale entlang spezieller Zykel) der Igusa Invarianten (bestimmte Siegelsche Modulformen) als elliptische Modulformen realisiert werden.

Claudia Alfes-Neumann studierte Mathematik an der RWTH Aachen und der University of Wisconsin, Madison, USA. Sie promovierte 2015 an der TU Darmstadt und war danach Postdoktorandin an der Universität Heidelberg und der Universität zu Köln. Seit Oktober 2017 ist sie Juniorprofessorin für Reine Mathematik an der Universität Paderborn.

 

 
 
 
 
 
 

Dr. Julien Guizetti
(Medizin, Infektionsbiologie)
Universitätsklinikum Heidelberg, Zentrum für Infektiologie
„Die Vermehrung des Malariaerregers im Menschen besser verstehen"

Malaria ist nach wie vor eine schwerwiegende Infektionskrankheit, der jährlich mehr als 400.000 Menschen zum Opfer fallen. Als wachsendes Problem erweist sich, dass der Malariaerreger gegen die derzeit gebräuchlichen Medikamente Resistenzen entwickelt. Um neue Therapien zu entwickeln, müssen wir den Aufbau des Erregers besser verstehen: Die Anzahl seiner Gene ohne bekannte Funktion ist weiterhin sehr hoch. Fortschritte in der Genfunktionsanalyse werden bislang durch den Mangel an Hochdurchsatzverfahren gehemmt. Das geförderte Projekt zielt auf die Entwicklung eines solchen molekulargenetischen Verfahrens ab und soll somit die Entwicklung neuer Therapieverfahren unterstützen.

Julien Guizetti hat nach seiner Promotion der ETH Zürich und einer Anstellung als Postdoktorand am Institut Pasteur in Paris eine Stelle als Nachwuchsgruppenleiter am Universitätsklinikum Heidelberg angetreten. Dort untersucht er mithilfe moderner mikroskopischer und genetischer Methoden die Zellteilungsmechanismen des Malariaerregers.

 
 
 
 
 
 

Dr. Susanne Koch
(Neurowissenschaften)
LMU München, Department of Physiological Genomics
„Veränderungen der Blutgefäße bei Retinitis pigmento"
(in Kooperation mit der Reinhard Frank-Stiftung)

Retinitis pigmentosa ist eine bisher unheilbare Augenerkrankung und die häufigste Ursache für erbliche Erblindung. In Deutschland gibt es etwa 30.-40.000 Betroffene. Die Patienten leiden zunächst im Jugendalter unter Nachtblindheit; im Laufe der Erkrankung kommt es dann zu einem sich immer mehr verengenden Tunnelblick bis hin zur kompletten Erblindung. Die Erkrankung wird durch Mutationen in den lichtempfindlichen Stäbchen-Photorezeptoren verursacht, die nach und nach absterben. Es gibt Hinweise darauf, dass auch die Blutgefäße graduell degenerieren. Es ist bislang nicht bekannt, inwiefern die Veränderungen der Blutgefäße den Erfolg einer möglichen Therapie einschränken. Ziel dieser Studie ist es, ein besseres Verständnis für die Rolle der Blutgefäße bei Retinitis pigmentosa zu bekommen.

Dr. Susanne Koch studierte Biologie an der Universität Tübingen und promovierte 2013 mit Auszeichnung an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Nach einem vierjährigen Postdoktorat an der Columbia University in New York, leitet sie seit 2018 eine Emmy Noether-Arbeitsgruppe an der LMU.

 
 
 
 
 
 

Dr. Nils Kroemer 
(Biologische Psychologie)
Universität Tübingen, Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie mit Poliklinik
„Bauchgefühle auf Knopfdruck: Kann man die Motivation durch eine Stimulation des Vagusnervs regulieren?"

Viele psychische Störungen wie Depressionen sind durch Veränderungen in der Motivation geprägt. Bisher fehlen allerdings Behandlungsmöglichkeiten, um die Motivation schnell und gezielt zu steigern. Das Forschungsvorhaben widmet sich deshalb der Fragestellung, ob man sich eine körpereigene Stellschraube zunutze machen kann. Normalerweise helfen uns körpereigene Signale dabei, unser Verhalten so zu steuern, dass wir zum Beispiel aktiver werden, wenn wir hungrig sind. Der Vagusnerv spielt bei der Verbindung zwischen Gehirn und Körper eine zentrale Rolle und kann mit einer elektrischen Stimulation am Ohr gezielt angeregt werden. Ziel ist es deshalb, zu verstehen, wie man dieses Tor" zum motivationalen System des Gehirns für neuartige Therapien am besten nutzbar machen kann.

Dr. Nils Kroemer studierte Psychologie an der Technischen Universität Chemnitz. Anschließend promovierte er 2013 an der Technischen Universität Dresden mit der Arbeit Im Angesicht von Nahrung: Die Neuromodulation der Reaktivität auf Essensbilder", welche mit dem Werner -Straub-Preis von der Fakultät Psychologie ausgezeichnet wurde. Nach Postdoktorandengruppen an der Yale University und der TU Dresden leitet er seit 2017 eine Nachwuchsgruppe zur Neurowissenschaft von Motivation, Handlungen und Verlangen an der Universität Tübingen.

 
 
 
 
 
 

Dr. Sebastian Oeck
(Medizin, Immunonkologie)
Universitätsklinikum Essen, Innere Klinik
„Resistenzmechanismen von Lungenkrebs gegen Immuncheckpoint-Blocker Therapie"

Krebszellen können Mechanismen entwickeln, die durch das Abschalten des Immunsystems das Wachstum von Tumoren begünstigen. Diese Erkenntnis hat im letzten Jahrzehnt einen der größten Durchbrüche in der Krebsbehandlung ermöglicht. Dennoch spricht nur ein Teil der Patienten auf die sogenannte Immuncheckpoint-Blocker Therapie an. Ziel des Projekts ist es, grundlegende Mechanismen zu identifizieren, die darüber entscheiden, ob das Immunsystem erfolgreich einen Tumor attackieren kann oder ob dieser resistent gegen Angriffe von Immunzellen wird.

Dr. Sebastian Oeck ist Zellbiologe und Proteinbiochemiker am Westdeutschen Tumorzentrum des Universitätsklinikums Essen. Seine bisherige Forschung am Institut für Zellbiologie (Essen, Deutschland) und in der Abteilung für therapeutische Radiologie (Yale University, USA) konzentrierten sich auf die zelluläre Antwort auf DNA-Schäden, wie der Immunantwort. Seine jüngsten Arbeiten wurden in Nature Genetics" 2018 und Nature Metabolism" 2019 veröffentlicht. Aktuelle Projekte umfassen Forschungen zur Immunantwort bei Lungenkrebs und dessen Behandlung.

 
 
 
 
 
 

Jun.-Prof. Dr. Timo Rademacher
(Rechtswissenschaften, Öffentliches Recht)
Universität Hannover, Juristische Fakultät
„Grenzen der Optimierung"

Das Vordringen künstlicher Intelligenz in jeden Winkel der Welt verspricht eine nie dagewesene Erfassung dessen, was ist, und Vorhersage von dem, was sein wird: Selbstfahrende Autos verhindern kleinste Rechtsverstöße. Krankenkassen messen das Verhalten der Versicherten so genau, dass jeder einen maßgeschneiderten Tarif erhält. Und Algorithmen bestimmen die Potenziale von Schülerinnen und Schülern so exakt, dass stets der richtige", weil leistungsgerechte Studiengang zugewiesen wird. Am Ende steht eine optimierte Welt, in welcher der Zufall keine Rolle mehr spielt. Timo Rademacher fragt mit seinem Projekt danach, ob und wo dieses Optimierungsversprechen künstlicher Intelligenz an rechtliche, insbesondere verfassungsrechtliche, Grenzen stößt.

Timo Rademacher studierte Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg, an der University of Ferrara und der University of Oxford (M. Jur.). Die Promotion erfolgte 2010 an der Universität Heidelberg am Institut für deutsches und europäisches Verwaltungsrecht. Seit 2016 ist er Habilitand am Institut für Medien- und Informationsrecht der Albert-Ludwig-Universität Freiburg (Abteilung für Öffentliches Recht), seit 2019 zudem Juniorprofessor für Öffentliches Recht und das Recht der neuen Technologien an der Universität Hannover.

 
 
 
 
 
 

Jun.-Prof. Dr. Eva-Maria Roelevink
(Wirtschaftsgeschichte)
Universität Mainz, Historisches Seminar
„Mythos Krupp: Öffentlichkeit zwischen Public Relations und Wirtschaftsjournalismus, 1900-1968"

Das Vorhaben befasst sich mit dem höchst beweglichen und bewegten Krupp-Mythos im 20. Jahrhundert. Dieser Unternehmensmythos – so die These der Untersuchung – war das Ergebnis von gezielter strategischer Kommunikation des Konzerns (Public Relations) und einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit (Wirtschaftsjournalismus). Die Untersuchung befasst sich mit der Entstehung und der Veränderung von Wirtschaftsöffentlichkeit als wechselseitigem Prozess.

Eva-Maria Roelevink ist Juniorprofessorin für Wirtschaftsgeschichte an der JGU in Mainz. Zuvor war sie Gastwissenschaftlerin an der University of Bergen und Akademische Rätin an der Ruhr-Universität Bochum, wo sie mit einer Untersuchung zum Kohlensyndikat promoviert wurde.

 
 
 
 
 
 

Dr. Moritz Schulze Darup 
(Ingenieurwissenschaften, Regelungstechnik)
Universität Paderborn, Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik
„Verschlüsselte Regelungstechnik für kritische Infrastruktur"
(in Kooperation mit der Reinhard Frank-Stiftung)

Moderne Regelungssysteme wie smarte Stromnetze oder intelligente Transportsysteme, zeichnen sich durch ein hohes Maß an Vernetzung aus. Die zuverlässige Regelung derartiger Systeme erfordert die Kommunikation und Verarbeitung von sensiblen Systemdaten über öffentliche Netzwerke und auf externen Plattformen. Verschlüsselte Regelungsverfahren zielen darauf ab, das damit einhergehende Sicherheitsrisiko zu minimieren. Dazu werden Regelungsalgorithmen beispielsweise durch den Einsatz homomorpher Verschlüsselungen so modifiziert, dass sie in der Lage sind, verschlüsselte Regelungseingriffe basierend auf verschlüsselten Systemzuständen (ohne zwischenzeitliche Entschlüsselungen) zu berechnen. Das Projekt zielt darauf ab, diese noch junge Technologie für reale Anwendungen zu empfehlen und so langfristig zu einem besseren Schutz kritischer Infrastruktur beizutragen.

Moritz Schulze Darup studierte Maschinenbau, Physik und Geowissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum und promovierte dort 2014 im Bereich Regelungstechnik. Anschließend war er als Postdoktorand an der University of Oxford tätig, bevor er 2017 an die Universität Paderborn wechselte. Dort leitet er seit 2019 eine Emmy Noether-Nachwuchsgruppe für verschlüsselte Regelungstechnik.

 
 
 
 
 
 

Jun.-Prof. Dr. Arthur Seibold 
(Wirtschaftswissenschaften, Volkswirtschaftslehre)
Universität Mannheim, Abteilung Volkswirtschaftslehre
„Effektive Alterssicherung in Zeiten des demographischen Wandels"

Die Alterssicherungssysteme in Deutschland und anderen Ländern werden durch den demographischen Wandel vor große Herausforderungen gestellt. Für viele entwickelte Länder sind Renten bereits der größte Posten öffentlicher Ausgaben, und die Anzahl der Rentner im Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbstätigen Alter soll sich in den nächsten drei Jahrzehnten fast verdoppeln. Um die Alterssicherung auch für künftige Generationen nachhaltig zu gewährleisten sind Reformen notwendig, deren Effektivität jedoch kritisch von individuellen Verhaltensreaktionen abhängt. Das geplante Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Effekte rentenpolitischer Maßnahmen auf individuelle Entscheidungen empirisch zu untersuchen. Es sollen die Determinanten individueller Rentenentscheidungen, die Rolle der privaten Altersvorsorge, sowie die Effekte der Erwerbsminderungsrenten und deren Interaktion mit Altersrenten analysiert werden.

Arthur Seibold ist seit 2018 Juniorprofessor an der Abteilung Volkswirtschaftslehre der Universität Mannheim. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Finanzwissenschaft, Arbeitsmarktökonomik und Verhaltensökonomik. Er promovierte an der London School of Economics (LSE) und absolvierte einen Forschungsaufenthalt an der University of California, Berkeley. Zuvor studierte er Volkswirtschaftslehre an der LSE und der Ludwig-Maximilians-Universität München.

 
 
 
 
 
 

Dr. Ann-Kathrin Stock
(Psychologie)
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
„Frühzeitiges Erkennen alkoholbedingter Hirnschäden"

Riskanter und missbräuchlicher Konsum von Alkohol sind in unserer Gesellschaft ein weit verbreitetes Problem. Alkoholassoziierte Gehirnschäden, insbesondere der weißen Substanz, tragen maßgeblich zur Aufrechterhaltung einer Alkoholkonsumstörung bei, da sie die Fähigkeit zur Handlungskontrolle reduzieren. Neueste Studien legen nahe, dass diese Hirnschäden nicht nur während des Alkoholkonsums auftreten, sondern sich in den ersten nüchternen Tagen eines Entzugs weiter zu verstärken scheinen. Um die zugrundeliegenden Vorgänge besser zu verstehen und zur besseren Behandlung von Menschen mit Alkoholkonsumstörung beizutragen, untersucht und vergleicht das Forschungsprojekt Veränderungen der weißen Substanz und damit einhergehende Handlungskontrolldefizite während und nach dem Rauschtrinken sowie dem ärztlich begleiteten Entzug.

Dr. Ann-Kathrin Stock studierte an der Ruhr-Universität Bochum Psychologie und promovierte dort 2014 am Institut für Kognitive Neurowissenschaft. Seitdem erforscht sie am Universitätsklinikum Dresden Grundlagen und Mechanismen der menschlichen Handlungskontrolle. Ein besonderer Fokus ihrer Arbeit liegt hierbei auf der Erforschung von Substanzkonsum und -missbrauch.

 
 
 
 
 
 

Dr. Dominika Wylezalek
(Astrophysik)
Universität Heidelberg, Astronomisches Rechen-Institut
„Der Einfluss supermassiver schwarzer Löcher auf die Entwicklung von Galaxien"

Supermassive schwarze Löcher können in ihren Wachstumsphasen einen enormen Einfluss auf die Galaxien, in denen sie sich befinden, nehmen. Das Verstehen dieser sogenannten Feedback Prozesse" ist notwendig, um nachzuvollziehen, wie Galaxien – wie auch z.B. unsere Milchstraße – sich entwickeln. Mit Hilfe von hochmodernen bodengebundenen Teleskopen sowie Weltraum-Teleskopen werden umfangreiche Beobachtungskampagnen durchgeführt. Das Ziel ist es, konkrete Hinweise für die Selbstregulierung von schwarzen Löchern und ihrer Galaxien zu finden, das Ausmaß dieser Feedback Prozesse zu vermessen und zu verstehen, welche konkrete Rolle diese Art von Feedback in der Galaxienentwicklung einnimmt.

Dr. Dominika Wylezalek studierte Physik an der Universität Heidelberg und der University of Cambridge (UK) und promovierte 2014 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach Postdoktoraten an der Johns Hopkins University Baltimore (USA) und dem European Southern Observatory in Garching bei München wird sie ab Sommer 2020 eine Emmy-Noether Forschungsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Astronomischen Rechen-Institut der Universität Heidelberg aufbauen.

 
 
 
 
 
 

Dr. Michael Zimmermann
(Molekularbiologie, Systemische Mikrobiologie und Chemische Biologie)
Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie Heidelberg
„Einfluss der menschlichen Darmflora auf die Wirkung von Medikamenten"

Die menschliche Darmflora setzt sich aus hunderten verschiedener Bakterienarten zusammen, wobei sich die Zusammensetzung von Person zu Person stark unterscheiden kann. Die Arbeit hat zum Ziel, den Einfluss dieser Bakterien auf die Wirkung von oralen Medikamenten besser zu verstehen. Auf diese Weise sollen Bakterienarten und mikrobielle Stoffwechselwege identifiziert werden, deren Anwesenheit in der menschlichen Darmflora Voraussagen über den Medikamentenstoffwechsel und den Effekt eines Wirkstoffes auf den Patienten zulassen.

Dr. Michael Zimmermann studierte Pharmazeutische Wissenschaften an der Universität Basel und Biotechnologie an der Ecole Supérieure de Biotechnologie in Straßburg. Nach seiner Promotion an der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich und einem Postdoktorat an der Yale University begann er mit seiner Arbeit am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie in Heidelberg als Forschungsgruppenleiter. Seine Forschungsgruppe untersucht, wie der menschliche Stoffwechsel durch unsere Darmflora beeinflusst wird und wie diese metabolischen Wechselwirkungen zwischen Bakterien und Mensch unsere Gesundheit beeinflussen.