Stipendiatentreffen 2009: Dieses Mal war alles etwas anders
Neuer Alumni-Verein veranstaltet die zukünftigen Stipendiatentreffen und unterstützt Stipendiaten, Fellows und Stiftung
"Wir gründen, also sind wir!" - vom Geist Descartes' erfüllt strahlten Fellows und Stiftungsmitarbeiter um die Wette. Die ehemaligen Stipendiaten - die "Fellows" - hatten gemeinsam mit den Mitarbeitern den Verein "Alumni der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung" gegründet. Ganz im Zeichen der Eigeninitiative stand das erste selbst organisierte Stipendiatentreffen vom 18.-19. September 2009 in der "Franken-Akademie" in Schloss Schney im fränkischen Lichtenfels.
Als Motivation dafür, die bewährten Jahrestreffen aus eigener Kraft fortzusetzen aber als Aufgabe einer Alumni-Arbeit zu gestalten, nannten engagierte Stipendiaten den Wunsch, etwas zurückzugeben: von der Bereicherung durch den von der Stiftung geförderten Auslandsaufenthalt und die anschließende Bindung aneinander. Monate lang vorbereitet, war in Lichtenfels die Gründung eines Vereins Thema und Ziel von rund 20 Stipendiaten, Petra Jung und Dr. Jörg Klein von der Stiftung sowie deren früherem Vorsitzender Professor Gisbert zu Putlitz.
Acht Nationalitäten, dreizehn Disziplinen, ein Ziel: So verschieden auch Herkunftsländer und Fachrichtungen der Stipendiaten waren, sie alle einte die gemeinsame Vision, auch künftig junge Wissenschaftler interdisziplinär und international zusammenzuführen. Und bereits beim ersten Treffen setzten die Teilnehmer die Tradition der Stiftung fort: ein wissenschaftliches Programm mit Fachvorträgen von Stipendiaten und Beiträgen von Fellows, um untereinander den geistigen und persönlichen Austausch zu pflegen.
Fellow-Vorträge zur Alumni-Arbeit und zur Innovationspolitik
Fellow Dr. Anselm Hagedorn begrüßte die Runde in vertrauter Umgebung im Schloss Schney, wo die Stiftung bereits mehrere Zusammenkünfte veranstaltet hatte. Er stellte die Initiative Alumni-Verein vor, entstanden in zwei lokalen Stipendiatengruppen in München und Berlin, und leitete über zu zwei Fellow-Vorträgen.
Alumni als Stütze für Stipendiaten, Fellows und Stiftung
Wozu brauchen wir einen Verein, wenn wir die Reisekosten künftig selbst tragen? Und wie können wir unsere Alumni-Arbeit aufbauen? Solche und andere Fragen beantwortete Dr. Petra Röcken in ihrem Vortrag "Alumni als Stütze für Stipendiaten, Fellows und Stiftung". Die Fundraiserin beschrieb die geistige Haltung einer lebenslangen Bindung an die Institution, die ihren Alumni einst Weiterbildung und persönliche Entwicklung ermöglicht hat. Obwohl im angelsächsischen Raum weit verbreitet, sei Alumni-Arbeit in Deutschland dagegen oft noch Zukunftsaufgabe, "die wir aber jetzt schon mitgestalten dürfen, für die Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung." Alumni könnten als Brückenbauer Angebote für jede Bezugsgruppe erarbeiten, führte Röcken aus: für Stipendiaten insgesamt (Austausch und Jahrestreffen, Weiterbildung) oder einzeln (Beratung, Mentoring, Unterstützung in Notlagen), für Fellows (berufliche Diskussionen, neue Themen, kollegiale Beratung) und für die Stiftung (Fachdialog, Impulse, ideelle Unterstützung als Multiplikatoren). Gerade Fellows würden die Stiftungsarbeit vermitteln, als Botschafter und Türöffner auftreten: "Wir können Bekanntheit und Image stärken, Dialog initiieren sowie Interessenten binden und Förderer gewinnen."
Als Faktoren erfolgreicher Alumni-Arbeit nannte die Referentin - von Hause aus Chemikerin - sechs "C", analog den Kohlenstoffatomen eines Benzolrings: Commitment (Selbstverpflichtung), Coordination (Konzeption und Strategie), Culture (gemeinsamer Geist), Communication (Dialog und Öffentlichkeitsarbeit), Cooperation (Partnerschaften) und Controlling (Machbarkeit und Erfolgskontrolle). Der Verein müsse ein eigenes Profil entwickeln und die Mitglieder sollten geistig offen bleiben für neue Ideen und Kooperationspartner - "so wie wir alle es im Ausland gelernt haben". Und um Beziehungen zu pflegen, könne "wirklich jeder" in seinem persönlichen Netzwerk aktiv werden.
Die Präsentation zum Vortrag können Sie hier als PDF herunterladen.
Nationale und EU-Instrumente der Innovationspolitik
Als zweites übergreifendes Thema erläuterte Dr. Martin Vogt, Technologieberater bei der VDI Technologiezentrum GmbH, nationale und EU-Instrumente der Innovationspolitik.
Vogt sprach zunächst über nationale Maßnahmen wie den 'Pakt für Forschung & Innovation', den Hochschulpakt, die Exzellenzinitiative und die Hightech-Strategie der Bundesregierung. Anschließend beschrieb er das Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union. Ein Fokus war hier das European Research Council, dessen Förderung in Wissenschaftlerkreisen als äußerst prestigeträchtig gilt und für eine Forscherkarriere von Vorteil ist. Vogt empfahl, wegen des komplexen Verfahrens eine Antragsstellung gut abzuwägen und die bestehenden Beratungsangebote, etwa der Nationalen Kontaktstellen der Bundesregierung, von Anfang an zu nutzen.
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Die 15-köpfige Arbeitsgruppe zur Vereinsgründung, die zugleich die künftigen Mitglieder zum ersten Mal versammelte, moderierte Hagedorn; den Verlauf protokollierte Dr. Heike Schettler. Auf der Tagesordnung standen die Diskussion und Verabschiedung des Vereinsnamens und der Satzung, Wahl des Vorstands und Bestellung der Geschäftsführung sowie die Diskussion über einen Vereinsbeirat und die künftige Zusammenarbeit mit der Stiftung.
Dr. Anselm Hagedorn (2.v.l.) moderierte die Arbeitsgruppe
In den Vorstand wählten die Mitglieder als erste Vorsitzende Röcken, Dr. Jochen Langer als zweiten Vorsitzenden, Hagedorn und Vogt. Da alle Gründungsmitglieder bereits im Voraus einen Satzungsentwurf erhalten hatten, konzentrierten sich längere Diskussionen auf wenige Punkte wie den Vereinszweck oder die Beitragsordnung. Der Versammlung gelang es, das für viele Teilnehmer neue Thema "Verein" effektiv und effizient zu bearbeiten und gemeinsame Lösungen zu finden.
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| Der Alumni-Verein
Gründung: am 19.09.2009 in Lichtenfels (Frankenakademie) Satzung (zum Download)
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Petra Jung betreute das Stipendienprogramm und wird ihre Erfahrung als Geschäftsführerin in den Verein einbringen. Der Geschäftsführer der Stiftung, Dr. Jörg Klein, sorgt als Mitglied im Vereinsvorstand für die Verbindung zur Stiftung.
Hand in Hand: Verein und Stiftung arbeiten zusammen
Bereits Monate zuvor hatte der Stiftungsvorstand, Professor Eckard Minx und Professor Rainer Dietrich, den Stipendiaten Unterstützung für den Verein zugesagt. Zur engen Zusammenarbeit schlugen die Gründungsmitglieder die Wahl eines Vorstandsmitglieds der Stiftung in den Vereinsvorstand vor.
Stattdessen erklärte sich Dietrich zu einer Mitarbeit im Vereinsbeirat bereit und empfahl als Vorstandsmitglied den Geschäftsführer der Stiftung, Klein. Dankend nahmen die Alumni auch das Angebot an, die Geschäftsstelle des Vereins in der Stiftung anzusiedeln und auf Petra Jungs Erfahrung und Engagement zu bauen. In der Gründungsversammlung bestätigten die Mitglieder in geheimer Wahl Klein als Vorstandsmitglied, bestellten die Leiterin des Stipendienprogramms zur Geschäftsführerin und entschieden, Dietrich als erstes Beiratsmitglied aufzunehmen.
Ergänzend dazu will der Verein einen deutschen und einen ausländischen Stipendiaten, einen führenden Mitarbeiter der Daimler AG, eine Referentin der Bertha Benz-Vorlesungen und ein Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Stiftung als Mitglieder im Beirat gewinnen.
Auch der frühere Stiftungsvorsitzende, Professor Gisbert zu Putlitz (3.v.r.), ist einer der Vereinsgründer und außerdem das erste Ehrenmitglied des Vereins.
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Wissenschaftliche Beiträge - wie schon immer
Parallel zu der Arbeitsgruppe "Alumni-Verein" führten Stipendiaten und Fellows bereits bei ihrem ersten 'eigenen' Jahrestreffen die Tradition der Stiftung fort und hatten ein kleines wissenschaftliches Programm vorbereitet. Fellow Dr. Frank Wiedmann moderierte drei Stipendiaten-Vorträge zum Schwerpunktthema Biologie und ein Referat eines Fellows aus dem Bereich Physik.
Yvonne Hackmann referierte allgemeinverständlich und fesselnd über die Sekretion cytotoxischer T-Zellen des Immunsystems, die andere erkrankte Körperzellen spezifisch und effizient vernichten können. Die Doktorandin am Cambridge Institute for Medical Research in England verglich die Funktionsweise der T-Zellen mit der einer Armee mit eigenen Abwehr'granaten'. In ihrer Dissertation untersucht Hackmann den Mechanismus zum 'Abschuss' dieser Granaten.
| Yvonne Hackmann | Nay Min Min Thaw Saw | Su Hlaing Tint |
Über eine Technologie zum Biomanufacturing von Antioxidantien aus Guave-Pflanzen und Gewebekulturen sprach die Biotechnologin Nay Min Min Thaw Saw aus Birma, derzeit Doktorandin am Institut für Lebensmitteltechnologie und Lebensmittelchemie der TU Berlin.
Eine Charakterisierung von RND-Typ-Multi-Efflux-Systemen in der Pflanze präsentierte die Biologin Su Hlaing Tint, ebenfalls aus Birma, die an der School of Engineering and Science der Jacobs Universität Bremen forscht. Außerdem berichtete die Biologin über das pathogene Bakterium Pseudomonas syringae.

Fellow Dr. Victor Morokhovskyi thematisierte in seinem Vortrag Energie aus dem Atomkern und die Funktionsweise von Kernkraftwerken. Der gebürtige Ukrainer arbeitet bei der Firma Areva in der Reaktorentwicklung und hat schon mehrfach bei Stipendiatentreffen über seine Arbeit berichtet.
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In bester Laune: Grillbuffet am Mittag
Verein gegründet - nächstes Stipendiatentreffen steht fest
Nach einem gemeinsamen Grillbuffet bei herrlichem Wetter auf der Schlossterrasse entspannte sich die Vortragsgruppe bei einem Spaziergang am Mainufer, während die Alumni-Gruppe letzte Details der Vereinsarbeit besprach. Um 14.15 Uhr waren Satzung und Protokoll unterschrieben: "Wir haben uns gegründet!" vermittelten 15 frohe Gesichter.

Die Vereinsvorsitzenden: Dr. Petra Röcken und Dr. Jochen Langer
Bei der Abschlussbesprechung des Stipendiatentreffens berichtete Hagedorn über die Gründungs- und erste Mitgliederversammlung und stellte den neuen Vorstand vor. Röcken bezeichnete "dieses Ehrenamt als Ehre" und dankte Hagedorn und allen Beteiligten für das gute Miteinander in der Gründungsarbeit. "Der Stiftung etwas zurückzugeben und anderen Stipendiaten die vielfältigen Erfahrungen bei den Treffen zu ermöglichen", nannte Langer als Motivation, der sich bereits seit 1994 regelmäßig an den Zusammenkünften beteiligt.
zu Putlitz, der das Stipendienprogramm mit entwickelt und über 20 Jahre lang begleitet hat, hatte sich die Teilnahme an der Gründungsversammlung nicht nehmen lassen: "Die Bereitschaft der Stipendiaten, die Treffen aus eigener Initiative weiterzuführen, zeigt doch, wie wichtig Ihnen dieses Forum geworden ist", freute er sich. Und sieht gleichzeitig darin "eine Bestätigung für das erfolgreiche Konzept des Stipendienprogramms der Stiftung."
Auf Wiedersehen in Lichtenfels - am Wochenende
des 17.-19. September 2010!

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Unterschriften, Unterschriften, Unterschriften
Bei 15 Vereinsgründern kommt eine beträchtliche Menge an Unterschriften zusammen: Dokumentation eines Gewöhnungsprozesses

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Jahrestreffen der Stipendiaten und Fellows
der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung
vom 18.-19. September 2009 in Lichtenfels
Programm
Freitag, 18. 9.2009, 19.00 Uhr
Begrüßung, Vorstellung der Teilnehmer
Vorstellung der Alumni-Initiative
Fellow-Vorträge und Diskussion
Petra Röcken (Chemie und Fundraising)
"Alumni als Stütze für Stipendiaten, Fellows und Stiftung"
Martin Vogt (Physik)
"Nationale und europäische Instrumente der Innovationspolitik - die Hightech-Strategie der Bundesregierung und das Europäische Forschungsrahmenprogramm"
Samstag, 19.9.2009
Vormittag
Arbeitsgruppe zur Konzeption
und Diskussion des Alumni-Vereins
parallel: Fachvorträge der Stipendiaten
Yvonne Hackmann (Biochemie)
"Secretion from cytotoxic T-cells
Nay Min Min Thaw Saw (Biotechnologie)"Technology for Biomanufacturing of Antioxidants (Phenolic Derivates) from Guava (Psidium guajava) Plants and Tissue Culture
Su Hlaing Tint (Biologie)
"Characterization of RND type multidrug efflux systems in the Plant - pathogenic bacterium Pseudomonas syringae
Fellow-Vortrag und Diskussion
Victor Morokhovskyi (Physik)
"Energie aus dem Atomkern
Mittag
Spaziergang am Mainufer
anschließend Griff-Buffet auf der Terrasse der Frankenakademie
Nachmittag
Präsentation der Ergebnisse zur Alumni-Vereinsgründung, Abschlussbesprechung
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Bildergalerie und Unterlagen
Bildergalerien mit Fotos der Stipendiaten-Treffen in den Jahren 2008 und 2009 stehen auf den Seiten "Alumni intern". Der Zugang zu diesen Seiten ist passwortgeschützt. Es ist dasselbe Passwort, mit dem Sie bereits auf die Datenbank der Stipendiaten und Alumni zugreifen können.
Dort finden Sie auch eine Teilnehmerliste des Treffens 2009 und andere Unterlagen zur Vereinsgründung. Außerdem erhalten Sie Informationen zur Mailingliste.
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