Überblick

 


27. Bertha Benz-Vorlesung

Professor Barbara Schock-Werner

Prof. Dr. Barbara Schock-Werner
Dombaumeisterin am Kölner Dom

"Der Kölner Dom als Aufgabe"

anschließend
Verleihung des Bertha Benz-Preises 2010
Laudator: Dr. Thomas Weber
Mitglied des Vorstands der Daimler AG, Konzernforschung & MBC Entwicklung, Stuttgart,
und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung

1. Juli 2010, 17.00 Uhr
in Ladenburg
Lobdengauhalle
Realschulstr. 2

Kölner Dom von Osten

                                                          Foto: G. Friedrich (wikimedia) Vergrößerung

Der Kölner Dom als Aufgabe

Anmerkungen von Prof. Dr. Barbara Schock-Werner
zum Vortragsthema

Die Kunsthistorikerin und Bauingenieurin ist seit 1997 Chefin der Kölner Dombauhütte und damit Dombaumeisterin. Die erste Frau in dem 1248 begründeten Amt spricht in ihrer Bertha Benz-Vorlesung über die Pflege des Weltkulturerbes „Kölner Dom“.

Die Dombauhütte Köln ist eine viele hundert Jahre alte, seit dem Beginn des gotischen Dombaues 1248 bestehende Institution. Natürlich war sie in den Jahrhunderten des Stillstandes, also zwischen 1520 und dem Beginn des 19. Jahrhunderts zeitweise nur schwach oder auch gar nicht besetzt. Doch spätestens seit 1842 ist sie wieder greifbar und damit beauftragt, den Dom für künftige Generationen und Zeiten zu erhalten. Seit der Wiedereinrichtung ist es charakteristisch, dass sie sich sowohl um die bauliche Erhaltung kümmert, als auch die dafür notwendige Forschungsarbeit und Dokumentation leistet.

 

südliche Querhausfassade des Kölner Doms

                                                            Foto: T. Voekler (wikimedia) Vergrößerung

 

Erhaltung des Doms: interdisziplinäres Handwerk

Die Dombauverwaltung hat heute etwa 80 fest angestellte Mitarbeiter, davon arbeiten mehr als sechzig im handwerklichen Bereich. Die größte Gruppe stellen die Steinmetze, von denen etwa dreißig am Dom beschäftigt sind.  Sie ersetzen zerstörte oder sehr stark geschädigte Architekturteile in Stein oder arbeiten nach den Modellen der drei Bildhauer Skulpturen. Gerüstbauer errichten die komplizierten Gerüste am Dom und sind auch an deren Entwicklung beteiligt.

Die Dachdecker haben in den Jahren ab 1985 das hohe Dach ganz in Blei neu eingedeckt und arbeiten jetzt an der Neueindeckung der Seitenschiff- und Chorkapellendächer. Außerdem warten und verbessern sie ständig die Wasserableitung und umhüllen stark gefährdete Bereiche mit Blei, um sie zu schützen.

 

Kölner Dom (Cologne Cathedral). Blick nach Osten vom Dach des Mittelschiffs.

                                                                     Foto: Mkill (wikimedia) Vergrößerung

Ein Schlosser und ein Schmiedemeister sorgen für das Werkzeug und arbeiten neue Dübel und Ankereisen, die die korrodierten ersetzen, heute natürlich aus dauerhafterem Material. Die Schreiner renovieren alte kunstvolle Teile aus Holz, z. B. die Kirchenbänke, haben aber auch Einbauten  wie Beichtstühle oder Türen neu anzufertigen. Der Elektriker wartet die komplizierte Technik und baut neue Leitungen ein, der Maler ist ständig mit Schutzanstrichen beschäftigt. Da der Dom über 7 000 qm Glasfenster mit historischen Gläsern hat, gibt es eine eigene Glasrestaurierungswerkstatt, in der auch zwei Glasmalerinnen arbeiten.

 

Der Altarraum des Kölner Doms.

                                                     Foto: Daniel Goehler (wikimedia) Vergrößerung

 

Bautätigkeit mit Wissenschaft verbinden

Unter dem Dom gibt es eine über 3.000 qm große archäologische Zone, in der die Reste der Vorgängerbauten bis zurück in die Römerzeit besichtigt werden können. Um diese zu betreuen gibt es ein kleines Team von Archäologen.

Alles was am Dom getan wurde, ist archiviert worden, was getan wird muss archiviert werden, deshalb  ist das Dombauarchiv wichtig, dessen Leiter gleichzeitig für die Betreuung der Kunstwerke im Dom zuständig ist. Ein anderer wissenschaftlicher Mitarbeiter erstellt mit elektronischen Mitteln ein Inventar aller beweglichen Objekte und Kunstwerke. Da dies etwa 40 000 Einträge umfassen wird und der Mitarbeiter gleichzeitig die Öffentlichkeitsarbeit und die Pressebetreuung leisten muss, wird bis zur Fertigstellung des Inventars noch einige Zeit vergehen.

 

Mittelteil des dreiteiligen Flügelaltars "Altar der Kölner Stadtpatrone" von Stefan Lochner

                                                 Foto: Christoph Rückert (wikimedia) Vergrößerung

Die Schatzkammer ist der Dombauverwaltung unterstellt, ihre Leiterin betreut gleichzeitig das Planarchiv.

Alle Mitarbeiter im wissenschaftlichen Bereich beantworten viele Anfragen und betreuen Studenten, die mit Forschungen zum Dom beschäftigt sind.  Andere unabhängige Forscher und Restauratoren arbeiten eng mit der Dombauverwaltung zusammen. Es gibt eine Spezialbibliothek, die auch von  vielen Gästen benutzt wird und für deren Betreuung eine Teilzeitbibliothekarin da ist.

Ein Maschinenbauingenieur betreut die Geräte und kontrolliert die Abrechnung und ein Architekt ist für Neuentwürfe und -entwicklungen zuständig.

 

Blick in das Längsschiff des Kölner Domes in Richtung des Chores.

© Raimond Spekking / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 & GFDL Vergrößerung

 

Organisation nach innen - eigener Laden für die Außenwelt

Ein Sekretariat verbindet die Arbeit aller. Das Rechnungs- und Lohnwesen betreut eine eigene Rechnungsstelle im Auftrag der Dombauverwaltung. Der gemeinnützige Verlag Kölner Dom produziert Objekte und Bücher, die sich wissenschaftlich oder populär mit dem Dom beschäftigen oder für diesen werben sollen. Sie werden im neuen Domladen verkauft, der als Serviceleistung für die Besucher des Domes gedacht ist.

Um den vielen Gästen einen möglichst angenehmen und störungsfreien Besuch zu ermöglichen, hat die Dombaumeisterin in den letzten Jahren neue Windfänge und ein neues, mehrsprachliches Beschilderungssystem einbauen lassen.

Das enge Miteinander von Wissenschaft und Bautätigkeit ist bis heute für die Dombauverwaltung Köln charakteristisch. Damit gilt sie für viele andere Institutionen als vorbildlich.

Turmspitze von innen, Blickrichtung nach oben

                               Foto: Randal J./Wikimedia Commons/CC-BY-SA Vergrößerung

Weitere Informationen finden Sie auf der
Link Internetseite der Dombauhütte oder der
Link Internetseite des Kölner Doms

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Bisherige Rednerinnen, Publikationen und Downloads

Alle Vorträge sind in der Reihe "Bertha Benz-Vorlesung" erschienen. Sie können die Broschüren kostenlos bei der Geschäftsstelle der Stiftung bestellen: info@daimler-benz-stiftung.de

Verschiedene Hefte sind allerdings vergriffen (siehe Liste). Ab der 19. Vorlesung von Heike Schmoll im Jahr 2002 können Sie die Broschüren hier als PDF-Dateien herunterladen.

 

Ursula Schwarzenbart, Director Global Diversity Management,
Daimler AG (2009)
"Diversity-Management: Modethema oder ökonomisches Muss?"
Download als PDF (2,6 MB)

Prof. Dr. Julia Fischer, Verhaltensforscherin am Deutschen Primatenzentrum, Göttingen (2008)
"Die Evolution der Sprache"
Download als PDF (1,2 MB)

Prof. Dr. Dr. Juliane Kokott, Erste Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof, Luxemburg (2007)
"50 Jahre Römische Verträge -
ausgelegt durch den EuGH"
Downoad als PDF (220 KB)

Dr. Rita Schulz, Astrophysikerin der Europäischen Weltraumagentur (ESA) (2006)
"Erforschung des Sonnensystems:
Europa forscht aus der ersten Reihe"
Download als PDF (584 KB)

Marianne Birthler, Bundesbeauftragte für die Unterlagen
des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (2005)
"15 Jahre deutsche Einheit - 15 Jahre Erinnerung an die SED-Diktatur"
Download als PDF (168 KB)

Prof. Dr. Angela Friederici, Psychologin und Linguistin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig (2004)
"Wie der Mensch Sprache versteht: Einblicke ins Gehirn"
Download als PDF (1,6 MB)

Prof. Dr. Gudrun Krämer, Islamwissenschaftlerin an der Freien Universität Berlin (2003)
"Islam, Menschenrechte und Demokratie: Anmerkungen zu einem schwierigen Verhältnis"
Download als PDF-Datei (168 KB)

Dr. Heike Schmoll, Redakteurin der Frankfurter Allgemeine Zeitung für Bildungspolitik (2002)
"Die Schwächen des deutschen Bildungssystems. Was lässt sich vom PISA-Sieger Finnland lernen?" (vergriffen)

Download als PDF-Datei (172 KB)

Dr. Helga Gräfin von Strachwitz, Afrika-Beauftrage des Auswärtigen Amts (2001)
"Der Weg Afrikas in die Moderne"

Dr. Barbara Bludau, Generalsekretärin der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. (2000)
"Technologietransfer - vom Wissen zum Wohlstand"

Klaudia Martini, Staatsministerin für Umwelt und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz (1999)
"Mut zum Risiko. Risikoentscheidungen als Entwicklungsbedingung moderner Gesellschaften"

Prof. Dr. Helga Rübsamen-Waigmann, Bayer AG, Wuppertal (1998)
"Alte und neue Seuchen im Zeitalter des Massentourismus"

Heidi E. Hutter, Swiss Reinsurance America Corporation, New York (1997)
"Globalisierung der Rückversicherungswelt - Zum finanziellen Umgang mit großen Risiken"

Dr. Brigitte Seebacher-Brandt, Deutsche Bank AG, Frankfurt (1996)
"Zufall und Notwendigkeit. Wie es zur deutschen Einheit kam.“

Gisela Mahlmann, ZDF-Korrespondentin, Baden-Baden (1995)
"Von Marx über Mao zum Markt: China – zwischen Armenhaus und Goldküste“

Dr. Karin Lochte, Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven (1994)
"Die Bedeutung des Südpolarmeeres für globale Klimaprozesse: Biologische Stoffkreisläufe“

Prof. Dr. Jutta Limbach, Senatorin für Justiz des Landes Berlin (1993)
"Politische Justiz“ (vergriffen)

Dr. Angela Merkel, Bundesministerin für Frauen und Jugend (1992)
"Der Aufbau in den neuen Bundesländern – Frauen und Jugendliche in einer Zeit des Umbruchs“

Helga Steeg, Exekutivdirektor der Internationalen Energie-Agentur, Paris (1991)
"Herausforderungen an die Energiepolitik aus internationaler Sicht“

Birgit Breuel, Niedersächsische Ministerin der Finanzen (1990)
"Europa im Umbruch. Perspektiven einer Unternehmenssteuerreform“

Prof. Dr. Lerke Osterloh, Universität Trier (1990)
"Sport, Spaß und Allgemeinwohl – Zum Streit um das steuerliche Gemeinnützigkeits- und Spendenrecht“

Priv.-Doz. Dr. Marlis Buchmann, Soziologisches Institut der Universität Zürich (1989)
"Tendenzen zeitgenössischer Kulturpraxis – Bedürfnisse kultureller Selbstdarstellung im sozialen Wandel“

Prof. Dr. Hanna Vollrath, Universität Köln (1989)
"Christliches Abendland und archaische Stammeskultur – Zu einer Standortbestimmung des früheren Mittelalters“

Prof. Dr. Karin Mölling, MPI für Molekulare Genetik Berlin (1988)
"Retroviren in der Krebs- und AIDS-Forschung“
(vergriffen)

Prof. Dr. Brigitte Rollett, Psych. Institut der Universität Wien (1988)
"Neue Forschungen zum Problem der Entwicklung der Begabung“
(vergriffen)

Prof. Dr. Hanna Holborn Gray, Präsidentin der University of Chicago (1987)
"Educational Diversity and the Unity of Learning”

(Siehe Publikationen.)

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