Innovation und Beharrung in der Arbeitspolitik (1988 - 93)

Leitung:
Prof. Dr. Burkhardt Strümpel†, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Meinolf Dierkes, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

 

Überblick



Thema des Kollegs

Der gedankliche Ausgangspunkt des Kollegs bezog sich auf das Phänomen der Fehlanpassung zwischen Erwerbssystem und veränderten Erwartungen und Bedürfnissen aus der Bevölkerung. Mit dem Forschungsprogramm wurden ausgewählte arbeitsmarktpolitische Problemfelder, unter anderem im Hinblick auf die Handlungslogiken der Akteure, ausgeleuchtet. Vier Bereiche wurden analysiert:

Welches Fazit lässt sich nach Abschluss der Arbeiten ziehen? Durchgängig ist der Befund, dass Interessenkonflikte und Machtverhältnisse als Beharrungsmomente die verschiedenen arbeitsmarktpolitischen Handlungsfelder prägen: So kann eine weitgehend defensive Krisenpolitik im Hinblick auf die Migrationthematik konstatiert werden. Auch die Handlungsmuster der klassischen Arbeitnehmervertretungen erweisen sich gegenüber neuen Interessenkonstellationen größtenteils als nicht mehr zeitgemäß. Die Erfolglosigkeit der häufig beschworenen Qualifizierungsoffensive wird durch Ergebnisse belegt, die eine zunehmende Ungleichverteilung von Qualifikationen und damit geringere Flexibilitätschancen des Erwerbssystems aufzeigen. Auch die potentiellen Gestaltungsmöglichkeiten des öffentlichen Dienstes scheinen wenig genutzt zu werden, vielmehr prägt hier Kontinuität statt Wandel das Bild. Die Handlungsfelder "Arbeitszeit" und die "Öffnung des Erwerbssystems für ältere Beschäftigte" lassen ebenfalls eine geringe Anpassungsflexibilität der beteiligten Akteure erkennen. Ferner scheint die Bereitschaft von Unternehmen, die Wünsche weiblicher Arbeitnehmer nach größeren Beschäftigungs- und Entwicklungschancen aufzugreifen, ebenfalls nur unter ökonomisch motiviertem Anpassungsdruck zu erfolgen. Schließlich wird bei den untersuchten Unternehmen bezüglich der Rollen und Leitbilder ein Lerndefizit konstatiert. Sowohl die Bereitschaft, Probleme des gesellschaftspolitischen Umfeldes als internes Gestaltungsmoment von Leitlinien aufzugreifen, als auch die Fähigkeit zu einem internen Diskurs gesellschaftlicher Werte, bezogen auf Umweltbewusstsein und Technologieentwicklung, scheint nur gering ausgeprägt zu sein.

(Siehe Publikationen).


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Projekte des Kollegs

Wandel der Erwerbsarbeit in Ost und West
Leitung des Projektes:
Meinolf Dierkes (in Nachfolge für Burkhard Strümpel), Avi Gottlieb und Ephraim Yuchtman-Yaar

Die Vorstellung von Arbeit und Technik in den Leitbildern betrieblicher Personalpolitik dargestellt am Beispiel eines Großunternehmens der Chemischen Industrie
Meinolf Dierkes, Eberhardt Weise und Susann Hefftner

Frauenförderpläne und die Dynamik gespaltener Arbeitsmärkte
Hedwig Rudolph und Marlis Grüning

Qualifizierung zwischen individuellem Anspruch und betrieblichem Bedarf
Peter Pawlowsky und Jens Bäumer

Altersgrenzen
Martin Kohli, Beate Mücke, Ulrich Stirn und Jürgen Wolf

Der Einfluss von Menschenbildern auf die personale und materiale Gestaltung der Arbeitssituation
Lutz von Rosenstiel und Rudolf Bögel

Arbeitsbeziehungen im öffentlichen Dienst
Berndt Keller

Subjektive Indikatoren der Arbeit in fünf Ländern
Ephraim Yuchtman-Yaar

Arbeitszeit: Handlungsfelder, Akteure, Betroffenheiten
Andreas Hoff, Dipl.-Soz. Ursula Ebbing und Cordia Schlegelmilch

Industriepolitischer Diskurs und Berufsbewußtsein von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren
Martin Baethge und Joachim Denkinger

Internationalisierung des Arbeitsmarktes - Europäische Migration
Rainer Münz und Helmut Faßmann

Labor Unions and Industrial Relations in the Regional Economies of the European Internal Market - A Cross-Nationally Comparative Research Project
Wolfgang Streeck und Sigurt Vitols


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